Bedrohung Mensch

«Solange nur das Virus eine Bedrohung ist und nicht die Menschheit, haben wir ja noch Möglichkeiten!» – Dieser Satz von Johannes Stüttgen in einem Podcastgespräch mit Brigitte Krenkers am 30. April 2020 sitzt. Unter Ausschaltung der Diskussion, wer oder was hinter diesem Virus stecke, bedeutet dieser Satz, dass die Lateralbedrohung heute die Menschheit selbst sei, während so etwas wie Covid-19 immer noch Möglichkeiten, also Chancen zum Guten biete.

Obwohl die Bedrohung durch unser Verhalten als Menschheit laut Stüttgen größer ist als die gegenwärtige (Ausrufung der?) Pandemie, hat die Pandemie eine ungleich mächtigere Wirkung auf uns als der Wahnsinn unseres Lebens auf Pump und auf Kosten der Ressourcen unseres Planeten und des vielgestaltigen Lebens auf ihm.

Dies im Auge zu behalten scheint mir bedenkenswert zu sein. Unsere Zeit bietet Möglichkeiten, ausgelöst durch einen unsichbar kleinen Erreger. Er verbannt Flugzeuge an den Boden und Autos auf die Parkplätze, reduziert die Schadstoffemissionen und schafft es, dass Schmetterlinge in einer Menge und Vielfalt durch den Sommer fliegen wie lange nicht mehr.

Wer etwas von der menschlichen Vernunft hält, könnte jetzt sagen, das alles würden wir auch ohne diese Angst vor der Pandemie hinbekommen, wenn wir nur einmal ins Denken kämen. – Aber anscheinend kommen wir durch das Denken selbst nicht mehr ins Denken. Es bedarf zusätzlich der Angst vor dem eigenen Tod und dies nicht als global errechnete Möglichkeit angesichts unserer ökologischen Fußstapfen, sondern ganz real im Jetzt, gleich was wir tun oder aus Vernunft nicht mehr tun.

Es gibt Menschen, die dankbar sind für die gegenwärtige Zeit, weil uns eine nicht ganz so große Bedrohung wie die Menschheit selbst als Geschenk zugeflogen ist und uns zur Vernunft zurückpfeift.

Dies sagt mit Herzklopfen und im Bewusstsein, dass diese Zeit für viele Menschen Tod und Elend bringt, 

mit einem Gruß