d15 – Leid und Heilung

Was sich im Inneren vieler Menschen abspielt, findet seine Entsprechung im Äußeren. Es gibt viel Zwist, wie in uns, so auch in der Welt. Zerstörung und Heilung sind dabei in ständigem Austausch. Auch dies gilt für unser Inneres wie für die Welt da draußen.

Safdar Ahmed zeigt im Treppenhaus des Stadtmuseums einen Film, wo Leid und Linderung, Krieg und Befriedung eng aufeinanderstoßen und in der Seele geflüchteter Menschen einen heilenden Ausgleich sucht.

    

Das Treppenhaus, wo der Film läuft, ist so eng, dass sich die Betrachter des Films und die rauf- und runtersteigenden Besucherinnen gegenseitig Weg und Sicht versperren. Das passt zum Film, der Themen und Bilder so ineinander verschränkt, dass die Luft in unseren Lungen fast keinen Platz mehr hat. Mit scharfen Schnitten werden Kochszenen von nach Australien geflüchteten Syrern mit Archivaufnahmen von Hubschraubern verschränkt. Bilder von schreienden Jugendlichen im Inferno von Aleppo werden von Bildern mit Geflüchteten in Australien überblendet, wie sie öffentliche Räume wischen oder Gänge mit dem Staubsauger reinigen, typische Jobs, die man gerne den Loosern der Geschichte überlässt.

Die in Australien gestrandeten syrischen Flüchtlinge zerbrechen sich den Kopf darüber, wie sie Solidarität zu den Aborigines üben könnten, die doch einst die rechtmäßigen Bewohner Australiens waren und von dort vertrieben wurden, so wie sie selbst aus Syrien vertrieben wurden und jetzt in diesem Land neue zarte Wurzeln setzen sollen.

Was passiert in der Seele eines Menschen, der sich, wie diese syrischen Menschen, lieber umbringt als an den Ort der Herkunft zurückzukehren, der ein Ort des Grauens geworden ist? Nun sind sie in Australien im Asyl, in einem Land, das ebenfalls eine Geschichte des Grauens und der Vertreibung hat. DIeser im australischen Alltagsleben längst vergessene Umstand klingt in ihren Seelen so stark nach, dass sie, ganz nach Adorno, nie wieder ein richtiges Leben im falschen Leben leben können.