Aus der Not

Das einzig Positive, was sie zur gegenwärtigen Weltlage sagen könne, schreibt Daniela Dahn in ihrem neuen Buch, sei, dass wir Menschen lernen würden.

Diese auf einen schmalen Grat gestellte Quintessenz, auf die sich die kritische Autorin zurückzieht, wirkt bestürzend. Und gleichzeitig tröstlich. Solange wir Menschen noch lernen, ist alles möglich und das Bessere ist nicht verloren, niemals. «Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen», hören wir in Goethes Faust. 

Die Stelle ist interpretier- und verrückbar. Zur Zeit würden ja sehr dubiose Karrieristen unterwegs sein und wieder einmal nach persönlichem Vorteil und noch mehr Macht und Reichtum streben, also sei Goethes Spruch keineswegs nur auf die Aussage zu verengen, strebsamen Menschen würden sich und damit schrittchenweise gleich auch die Menschheit als Ganzes erlösen. Erlösen vom Geld vielleicht, das denen weggenommen wird, denen es er gehört, aber nicht erlösen im Sinne der einer höheren Kultur.

Doch so könnte der Spruch auch schon zu Goethes Zeiten und im Faust selbst interpretiert worden sein. Dennoch wussten und wissen wir, um was es geht. Und wenn Daniela Dahn, die nun wirklich von den letzten Illusionen befreit ist, was billige Menschheitsbeglückungen angeht, wenn sie sagt, das Einzige, was sie berichten könne, sei die Tatsache, dass wir am Lernen seien, dann ist das eine Frohbotschaft.

Schönen Sonntag,

herzlich