Begriffserweiterung

Joseph Beuys machte den Menschen das Leben schwer durch seine immer wieder neu und anders formulierte Definition des «Erweiterten Kunstbegriffs». Sie wollten seine Ideenzusammenhänge verstehen und waren verloren. Er hatte es selbst allerdings auch schwer, wollte er doch mit den beschränkten Möglichkeiten der Sprache das Unmögliche einer utopischen Zukunft beschreiben, die soziale Wirklichkeit werden sollte.

Der «Erweiterte Kunstbegriff» versteht jeden Menschen als Künstler, der oder die auf seinem oder ihrem Gebiet ein ebenso sakral-profanes Leben führt und darin Fähigkeiten übt wie früher die Mönche im Kloster oder die Künstler im Atelier.

Während der alte Kunstbegriff Kriege nicht verhindern konnte, auch dann nicht, wenn beispielsweise Picasso mit seinem Antikriegsbild Guernica der Menschheit sein „NIE WIEDER!“ entgegenschrie, soll der «Erweiterte Kunstbegriff» über solche Beschränkungen hinauskommen und die Menschen in einer neuen Wärmeplastik verbinden, auf eine solche Weise verbinden, dass die Tiere und die Pflanzen in unseren Parlamenten genauso vertreten sind wie wir selbst. Heute wird diese Idee als bahnbrechendes neues Denken aus dem Kopf von Bruno Latour gefeiert – seine partielle Ungebildetheit lässt diese Tatsache außen vor und glaubt, er selber sei der Urheber solch zukünftiger und friedensstiftender Gedanken.

Ich bleibe dabei, für mich hat Beuys durch das Ausrufen des «Erweiterten Kunstbegriffs» hinlänglich nicht nur formuliert, sondern auch gelebt, was Latour ihm stammelnd hinterhermunkelt…

Nun aber keine Denunziationen an die Adresse von Bruno Latour, auch keine Historiendichtung und Heldenverehrung in Richtung Joseph Beuys. Das ist nicht angesagt, auch nicht bei Beuys. Leider ist inzwischen hinlänglich bewiesen, dass auch der «Erweiterte Kunstbegriff» von Beuys nicht so ohne weiteres den Krieg verhindert hat.

Deshalb, so scheint mir, gibt es eine neue Chance. Sie heißt verrückterweise «Corona». So lange wir diesen Begriff nur mit dem Verstand handhaben wollen, gehen wir in die Irre – und werden daran irre. Also schlage ich vor: Lasst uns den Begriff «Corona» erweitern. 

Es ist die Chance, JETZT an der neuen, von Beuys und einigen anderen bereits vorbereiteten Wärmeplastik einer sozialen Utopie zusammenzuarbeiten. Diese Plastik beginnt im Denken beziehungsweise in der Überwindung des fragmentierten Denkens. Der «Erweiterte Coronabegriff» weist auf dem Weg von der Idee zur Wirklichkeit nur noch so viel Reibeverlust auf, dass wir ungehindert in ein alle Lebewesen verbindendes Miteinander hineinfinden können, vorausgesetzt wir werden nicht eng und irre an dieser zukunfterfrischenden Herausforderung.

Daran wollen wir uns üben, jetzt, nicht irgendwann später,

herzlich