Bilder lesen

Wer, wenn nicht Mutter und Kind sind mit der Quelle verbunden, der Möglichkeit nach sind sie es immer, der Wirklichkeit nach sind sie’s oft. Lasst uns gemeinsam hinschauen, wo Licht und Wärme zusammenkommen, gleich wie dunkel es um uns herum sonst ist.

Ich bekam dieses Bild vor einigen Tagen zugeschickt. Der Kommentar, den ich dazu mitgeschickt bekam, spricht für sich: Da hatte jemand, inzwischen erwachsen und alles eher als von der Mutter Sicherheiten umsorgt, da hatte also jemand die Idee, «meine Mutter und mich zu Zeichnen, weil ich dort gehalten werde und so neugierig und vertrauensvoll in die Welt schaue – und ich meiner Mutter dies Bild zu Weihnachten schenken wollte. Mir fielen intuitiv Delfine und Wale ein, die sich in den Falten ihres Kleides und in der Umgebung bildeten. Ich hatte das Bedürfnis, der ganzen Schwere der jetzigen Situation in der Welt Kinderbilder entgegen zu halten, Kindlichkeit oder Unschuld oder was auch immer. Ich wollte auch die Mühe meiner Mutter ehren und würdigen mit der Zeichnung, wir haben ein sehr schwieriges zwiespältiges Verhältnis, doch sie hat mich gehalten und angelächelt und großgezogen.»

Die Zeichnung «Mutter und Kind» ist der Beweis: Bilder sprechen uns direkt und nachvollziehbar an. Worte je nach dem auch. Also nicht nur die Mutter und das Kind, sondern auch die Bilder und die Worte pulsen nah an der Quelle, wenngleich Bilder manchmal verwackelt und Worte indifferent sind. Sollte uns Verwackeltes und Indifferentes begegnen, dann ist es an uns, die passenden Pinselstriche dazuzutun und die noch fehlenden Worte dazu zu erfinden. Ist manchmal leichter als vorschnelle Kritik.

Das merk‘ ich mir und grüße, herzlich