Bitte immer alles auf den großen Haufen!

Darin machen es die meisten Menschen dem Teufel gleich, dass sie am liebsten auf einen großen Haufen scheißen. Preisverleiher beispielsweise wählen für ihre Preise meist Leute, die ihre Preise nun wirklich nicht mehr nötig hätten, reiche Leute, berühmte Leute, Magnete in der Öffentlichkeit. Warum tun sie das? Weil sich die Preisverleiher damit selbst ins große Rampenlicht stellen und ihre Preis für noch bedeutender machen, als sie es sowieso schon sind.

Den wohl größten Haufen, auf den immer weitere Preise draufgeschüttet wurden, bekam der US-Amerikaner Linus Pauling ab. Lieber Leser, liebe Leserin, bitte jetzt hinsitzen und weiterlesen und dabei immer mal durchatmen: Der sympathische Chemiker mit dem überdimensional großen Kopf bekam zwei Nobelpreise und während rund sechzig Jahren mindestens einmal pro Jahr irgendeinen renommierten Wissenschaftspreis obendrauf und als sportliche Zugabe insgesamt 47 (siebenundvierzig!) Ehrendoktorate, darunter von Oxford, Cambridge, der Sorbonne, von Princeton und Chicago. Das Extrazimmer mit den Tennispokalen in Roger Federers Villa sind Peanuts, ganz ehrlich. Und wenn wir schon mal austeilen: Federer hat gerade einmal einen Ehrendoktor.

Pauling war eine Wucht und ein mutiger und kompromissloser, jedoch immer freundlicher Friedenskämpfer. Einen der beiden Nobelpreise erhielt er für sein Engagement gegen die Atombewaffnung zur Zeit des Kalten Kriegs. Also alles paletti. Gönnen wir ihm seinen internationalen Ruhm. Aber was die Preisverleiher betrifft, haben sie vor allem eins bewiesen, nämlich das, was man sonst eben dem Teufel nachsagt, sie haben immer nur auf den großen Haufen geschissen.

Gerade heute, ich meine seit mindestens einem Jahr, wo Preise die Bedeutung von lebensrettenden Maßnahmen für unbekannte, deshalb jedoch nicht unbedeutende Künstlerinnen und Künstler wären, sollte ein Umdenken einsetzen.

Liebe Grüße aus dem tiefverschneiten und sibirisch kalten Kassel. Hier, würde ich sagen, ist die Welt noch in Ordnung, zumindest in diesen Tagen ohne Autos und Stress, dafür mit Schlittenfahrern und Langläufern direkt vor der Haustür mitten in der Stadt,

herzlich