Meine Not beim Telefonieren

Ich habe ein Problem mit dem Telefonieren. Deshalb erkundigte ich mich bei anderen, wie sie damit umgehen. Zum Beispiel Mädchen, wenn sie in einen Jungen verknallt sind und zum erstenmal mit ihm telefonieren. Die Tipps waren rührend. «Ach Gottchen, die Situation hatte ich auch schonmal. Am Anfang voll gezittert vor Nervösität und dann, so nach 15 Minuten hat er mich glücklicherweise zugelabert, worüber ich echt froh war. Mach dir mal keine Gedanken, die Angst legt sich, sobald ihr ein paar Minuten geredet habt.»

Eine andere Ratgeberin schrieb, sie hasse telefonieren, aber sie könne sich nicht mit ihm treffen, weil ihre Mum streng sei.

Meine eigene ‹Mum› und ich sind zwar nicht mehr streng miteinander, weder sie zu mir noch ich zu ihr. Dennoch habe ich ein Problem, wenn ich mit meiner über neunzigjährigen Mutter telefoniere. Von Deutschland aus rufe ich nämlich ins nichteuropäische Ausland an. Ich benutze das Festnetz. Sie hat neuerdings kein Festnetz mehr, sondern Smartphone. Bekam sie geschenkt. Wenn ich nun von meinem Festnetz auf ihr Smartphone ins nichteuropäische Ausland telefoniere, zahle ich hohe Gebüren. Die Empfehlung von allen, wirklich allen Seiten, ich solle mit ihr über WahtsApp telefonieren, blitzt an meinen Prinzipien und Abneigungen ab, die mir verbieten, dieses Medium zu nutzen, auch wenn sein Gebrauch gratis ist.

Nun, wir telefonieren natürlich trotzdem, meine ‹Mum› und ich, nur bin ich dann so verkrampft, dass nichts Gescheites draus wird. Es fühlt sich schlussendlich ganz ähnlich an wie das Telefonieren von Teenagern, die nicht wissen, was sie sagen sollen und die das «telen» hassen, weil sie keinen Umgang damit finden.