«Quadratur»

Es klingt kompliziert, erst Dornenkrone, dann Kreuz, und jetzt Quadratur. Natürlich geht es nicht um das Herunterleiern christlicher Selbstverständlichkeiten (die niemand versteht?), auch geht es nicht einfach um irgendeine Quadratur. Es geht um nichts weniger als die Quadratur des Kreises. Sie ist das alte, bis heute nicht gelöste Kronproblem der Mathematik. Wir haben den Kreis und wir haben die Berechnungsmöglichkeiten – und neuerdings haben wir auch eine globale Aufgabe, nämlich die Lösung dieses Problems innerhalb unserer Gesellschaft. Sie erscheint so unmöglich zu sein wie das Kronproblem in der Mathematik. Doch ist damit das letzte Wort gesprochen?

Nehmen wir doch einfach mutig und unbedarft die nächste Hürde mit der in unsere Seelen geschriebenen Lemniskate. Sie ist nicht die Verdoppelung der Schwierigkeit, sondern ihre Doppeltheit löst unser Problem. Da ist sie, die wunderbare Lemniskate:

 

 

Im Gegensatz zum Kreis sei es möglich, zu einer Lemniskate Quadrate zu konstruieren, deren Seitenlängen dem Lemniskatenradius entsprechen. Vielleicht meine ich genau dies, wenn ich bei Corona mit der Quadratur des Kreises beziehungsweise der Lemniskate zusammendenke. Nicht das platonische Ideal des vollendeten Kreises, sondern das verwandte, unendlich viel lebenpraktischere Problem der Lemniskate, dieser Bewegung, die sich nicht nur in der Gestalt, sondern auch im Flug des Schmetterlings wiederfindet und uns überall im Leben auf Schritt und Tritt begegnet, geht mir neuerdings durch den Sinn.

In diesem Sommer gibt es mehr Schmetterlinge als bisher. Nicht nur draußen in der Natur, da aber schon mal auf die erfreulichste Weise. Auch in meiner Seele ziehen Schmetterlinge ihre Lichtspuren hinter sich her. Ich habe Grund zur Annahme, das Schwerste sei leicht, wenn ich es nur nicht, wie sonst und bisher immer, einzig auf mich allein beziehe. Überall ein Staunen, über den Wahnsinn der Welt, an den ich mich schon zu gewöhnen bereit war, der mich seit einigen Monaten aber nocheinmal in ganz anderer Art erreicht. Staunen auch über Menschen, denen ich draußen begegne. Wenn sie nette Gesichter machen wie nie zuvor, freue ich mich über den Beweis des Menschheitsfortschritts. Und wenn mal jemand ein anderes Gesicht mache, ertappe ich mich bei der weisen Reaktion, dass ich sofort verzeihe und eine entlastende Erklärung parat habe, warum dieser Mensch gerade nicht lächeln oder meinen Gruß erwiedern konnte.

Große Lemniskatenbewegungen auch beim Geld. Ich habe noch nie so viel Geld geschenkt bekommen und noch nicht so viel verschenkt wie in diesem Sommer. Und so weiter. Die Quadratur des Kreises ist in vollem Gang, wir dürfen nur keine Angst haben und vor allem keinen Augenblick stehenbleiben und uns den Wahnsinn von außen anzuschauen.

Dazu habe ich auch gar keine Lust, bei so vielen Schmetterlingen in der Natur, im Bauch, auf dem Konto, in den Begegnungen…

Ob auf diese Trilogie noch weitere Gedanken folgen? Ich denke schon.

Doch vorerst und für heute einen Gruß,

herzlich