d15 – Abgeordnete gegen Untersuchungskommission

Es ist heiß hergegangen im Bundestag. Am Ende haben die Abgeordneten eine externe und unabhängige Untersuchungskommission abgelehnt, die einige Politierkinnen wollten. Aufatmen. Nachdem die Sache so ausgegangen ist, müssen wir uns keine weiteren Gedanken darüber machen, wie denn bitteschön die Unabhängigkeit einer solchen Kommission, die die Kunst kontrollieren sillte, ausgesehen hätte. Glück in Unglück, möchte ich sagen.

Damit können wir erfreut zum eigentlichen Geschäft der documenta zurückkehren, zur Kunstbetrachtung. Und damit komme ich zur Frage: Was sieht man auf dem folgenden Foto und was sticht am meisten ins Auge?

 

Wem was ins Auge fällt bei diesem Bild, wird wohl sehr unterschiedlich sein. Mir, der ich jahraus und jahrein an der Orangerie vorbeigehe, fällt das Zelt im Vordergrund auf. Einen Geflüchteten und frisch in Kassel Angekommenen dürfte eher das Gebäude im Hintergrund, eben die Orangerie, interessieren. Zur Orangerie an dieser Stelle keine weiteren Worte, sie ist dieses Mal nicht Teil der documenta wie sie es bei der documenta 14 gewesen ist. Das Zelt im Vordergrund hingegen ist Teil der documenta und zeigt einen berührenden Film über eine versteppte Landschaft, die so weit ist wie das Auge reicht. Ich habe mir den Namen nicht gemerkt, aber das Land muss irgendwo am Ostrand der Taiga sein.

Nomaden bestellen ein Stück dieses Bodens. Sie bereiten ihn vor, säen ein, eggen. Und sie holen Mönche, die mit einem Feuer und Opfergaben zu den Göttern beten und deren Beistand herbeisingen. Möge das Projekt gelingen! Möge dieser Tropfen menschlichen Bemühens gegen den heißen Stein flächendeckender Versteppung Erfolg und die Nomaden davon einen Gewinn in Form von Lebensmitteln haben.

Ob das gelingt und wie die Geschichte weitergeht, bleibt dem Laufpublikum verschlossen. Wir und Gott müssen zufrieden sein, wenn einige von ihnen so viel Zeit mitgebracht haben, um wenigstens die Filmdauer von 19 Minuten zu überstehen – eine nicht geringe Leistung bei einem Kunstmarathon durch 32 Stationen, von denen manche tausende von Quadratmetern groß sind.