d15 – Agentur?

Zuschauermassen vor dem Fridericianum im documenta-Endspurt

Statt «Zensur», frage ich zur Abwechslung mal: «Agentur»? Verbirgt sich hinter der Berichterstattung zur documenta fifteen etwa eine Agentur? Eine ganz schön gewiefte Propagandamaschinerie, die möglichst viel Publikum nach Kassel locken soll? Ein Projekt von Medienprofis, die den Antisemitismus-Streit als gelungenes, in regelmäßigen Wellen wiederkehrendes Thema auf ihre Fahnen geschrieben haben?

In einer ersten Welle haben sie das Kollektiv Taring Padi berühmt gemacht, heute steht das weit hergereiste documenta-Publikum Schlange vor dem von diesem Kollektiv bespielten Standort Hallenbad Ost:

Dann waren es zwei Zeichnungen mit Soldatenhelmen mit dem Davidstern drauf. Lamento mit wenig Überzeugungshintergrund. Die harmlosen Bilder sind inzwischen kontextualisiert. Sie liegen auch wieder aus, nachdem sie kurzzeitig aus dem Fridericianum entfernt worden waren. Inzwischen ist klar, dass sie nicht das Zeug haben, als antisemitische Provokation positioniert werden zu können.

Nun geht es weiter auf dem auch ohne Skandal schon sehr beliebten Hübner Areal. Ich rechne schon seit zwei Monaten mit Restriktionen gegen die Filme, die das Kollektiv Subversive Film dort zeigt, immerhin sind es neun Stunden Filmmaterial zum Israel-Palästina-Konflikt. Das israelische Militär und die israelischen Politiker kommen in diesen Filmen schlecht weg, so schlecht, dass irgendwann die Bombe platzen musste. Die Filme sind nun auf dem Index. Ein weiterer Propagandaerfolg. Bald werden auch hier die Menschen Schlange stehen. Die zur Prüfung antisemitischer Umtriebe eingesetzte «Expertenkommission» hat sich kritisch zu Wort gemeldet. Ich habe die Filme schon vor Wochen angeschaut, damit ich dann wissen würde, worüber gestritten wird, falls die Streifen mal nicht mehr zu sehen sein sollten, was jetzt einzutreffen droht.

Damit versprechen auch die letzten zwei Wochen spannend zu bleiben. Und die Medien können auch für die verbleibende Restzeit dieser documenta besten Gewissens an all den Themen vorbeischwadronieren und ein dieser documenta letztendlich fremdes Thema zuoberst auf der Prioritätenliste festhalten. Neu an der in den letzten Tagen entbrannten Debatte ist, dass sich die Kollektive zur Wehr setzen und reagieren. Sie fordern eine Unterscheidung zwischen «antizionistisch», «antijüdisch» und «antiisraelisch», eine Unterscheidung, die bisher keine Rolle spielte, jedoch von eminenter Bedeutung ist.

Herzlichen Gruß