d15 – Das Alte und das Neue

Das hier abgebildete bunte Gebäude ist das ruruHaus. Früher kaufte ich im ehemaligen Sportladen noch meine heruntergesetzten Sportklamotten, jetzt ist der umgebaute Konsumpalast das Wohnzimmer des in Indonesien gegründeten Kollektivs Ruangrupa. «Der Begriff ruruHaus, wie er sich aus ‚ruru‘ für ruangrupa und dem deutschen Wort ‚Haus‘ zusammensetzt,» teilt das Team mit, «beschreibt unsere langjährige Praxis des gemeinsamen Arbeitens und Gestaltens. Unser Schaffensprozess beruht auf Respekt und Verständnis für lokale kulturelle Ekosisteme, die von Menschen, Materialien und anderen lebenden Organismen gebildet werden.»

Was in diesem Haus gemeinsam getan wird, ist noch weitgehend Geheimnis. Manchmal schaue ich durch die Fenster hoch. Hat sich das indonesische Leben den mittelhessischen Gewohnheiten angepasst? Jedenfalls fällt mir keine besondere Lebendigkeit im und um das Haus auf. Es geht zu wie in den anderen umliegenden Geschäftshäusern an der Oberen Königsstraße, Menschen sind hier Mangelware. Kein pralles Palavern und keine bunten Kleider, nur knallbunte Fassaden. Immerhin. Die sind ansprechend, finde ich, und machen gute Laune.

Für mich zur Zeit noch konkreter als das Leben im ruruHaus ist die Lanzette im Bild oben ganz links. In meinem Kopf – aber auch in der Herz- und Bauchregion – sind haufenweise Erinnerungen an den Obelisken von Olu Oguibe gespeichert, den die Stadt ankaufen wollte und sich dabei lächerlich machte.

Um den Kauf und die Platzierung des documenta-Kunstwerks gab es Widrigkeiten, bei denen sich die Stadtregierung wie die Schildbürger präsentierte und sich, wie damals die Stadt München beim Ankauf von Zeige deine Wunde von Joseph Beuys, weltweit zum Clown machte. Die Stadtvertreter_innen handelten den Preis um ein Vielfaches runter, ließen die Skulptur zwischenzeitlich auf einer Bauhalde verrotten, und stellten sie schließlich an einen anderen als den ursprünglich dafür vorgesehenen Platz.

Wenn ich vom Fridericianum losgehe in Richtung Treppenstraße, kommt erst das ruruHaus. Die Treppenstraße weiter nordwärts, gelange ich dann direkt vor den Obelisken, dessen Aktualität genauso über der Stadt, dem Land, Deutschland und Europa triumphiert wie vor fünf Jahren auch schon. Es ist, wenn wir so wollen, ein Denkmal für die Heimatlosen, die Obhut suchen – und bekommen.