d15 – Arbeiten auf dem Wasser

Die Hängenden Gärten von Babylon gehören zu den Weltwundern. Zu solcher Berühmtheit werden es die Schwimmenden Gärten von Kassel nicht bringen, doch wegweisenden Charakters sind sie trotzdem. 

Ilona Németh aus der Slowakei, die diese Gärten als ihren documenta-Beitrag versteht, hat sich dabei viel überlegt. Und sie hat Hand angelegt. Wenn sie sich vor den zwei schwimmenden Beeten, die für die nächsten Wochen und Monaten in der Innenstadt auf der Fulda zu sehen sind, fotografieren lässt, steht sie ganz rechts im Bild, ohne Schmuck, mit unaffälliger Brille und noch unauffälliger in der Kleidung, zurückhaltender Blick und die nackten Unterarme leicht verschränkt. Dreiviertel des Bildes macht das Grün des Fuldaufers und der Anblick der zwei schwimmenden Pflanzeninseln aus, Darum geht es der Künstlerin auch, um Pflege und Heilung über die Generationen und in einer von Giften und Ausbeutung heruntergewirtschafteten Erde.

Die Professorin lehrt in Bratislava. Die Kunst, die sie macht, vernetzt, bildet neue Netzwerke, kümmert sich um einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen und bezieht Menschen mit ein, die Teil ihrer Arbeit werden, indem sie zur Pflege beitragen. Der Name des Kunstwerks lautet Future Garden. Altes kommt nur insoweit zur Darstellung, als es zum Brückenbau in die Zukunft dient. Damit kommt ein altes spirituelles Gesetz zur Geltung.

Die Pose der Künstlerin vor ihrem Werk ist zurückgenommener als die ihrer «Kollegin» Marta Minujin aus Argentinien, die mit dem Parthenon der Bücher vor fünf Jahren ein Highlight der documenta 14 kreierte und sich dabei gern als eine Art Andy Warhol der Bildung feiern ließ.