d15 – Auf das Gute Vertrauen

Die im Hübner Areal vom Kollektiv Subversive Film gezeigten Streifen heißen neuerdings «Propagandafilme». Vor allem sind es Filme, Filme, die Problematisches zeigen und teils selbst problematisch sind. Experten finden, dass sie von der documenta abgesetzt werden sollten. Nun wird gestritten. Das alte Muster. Sinnlos.

Unbestritten ist die Tatsache, dass, ganz anders als diese Filme, der Film von Pınar Öğrenci im Landesmuseum inzwischen eine Masse von Zuschauern anzieht. Kino spricht sich rum, die beste Reklame ist Werbung von Mund zu Mund. Vor einigen Tagen schaute ich zum drittenmal den künstlerisch gestalteten, mit einer klaren Idee durchwirkten Film über die kleine Stadt Müküs in einer Bergregion der urartäischen Zivilisation und der armenischen Vaspuragan-Dynastie an der Grenze der Türkei zum Iran mit ihrem bis heute hohen Anteil an kurdisch sprechender Bevölkerung. Der Film arbeitet mit alten Narrativen, mit dicht ineinandergeschobener Geschichte, mit Überblendungen, Porträts, Fiktion und Wirklichkeit. Ein Film mit immer neu zu entdeckenden Details und mit Stefan Zweigs Schachnovelle als geistiger Rahmenhandlung.

Dieser Film hat die Herzen des Publikums erobert. Bei meinem letzten Besuch waren etwa 50 Menschen da und schauten hingebungsvoll still – und sie blieben von Anfang bis Ende. Das ist eine Sonderleistung auf einer documenta.

Eine solche Karriere kriegt das sperrige Filmmaterial im Hübner Areal von sich aus nie hin. Würde man der Sache ihren Lauf lassen, rückte sie sich durch das Publikum wie von selbst zurecht. Die Filme sind teilweise mühsam, wer sich das vielstündige Filmmaterial trotz des unnötigen, historische Bedeutung suggerierenden Dauerflimmerns anschaut, sehnt sich geradezu nach einem künstlerischen Film wie dem von Pınar Öğrenci.

Übrigens auch was die Inhalte der so genannten «Propagandafilme» angeht, könnten wir auf den Geschmack des Publkums vertrauen. Das Publikum kann ohne pädagogische Zeigefinger von außen beurteilen, was es da sieht. Und ich kann mir keinen einzigen Menschen vorstellen, der, wenn er vorurteilsfrei hinschaut, neben israelkritischen nicht auch palästinenerkritische Motive entdeckt. Es muss vor einer solchen Filmsammlung nicht geschützt werden, es zieht sowieso die Filme mit künstlerischem Geschmack vor.

Gruß