d15 – Back to you all

Während man auf den verschiedenen Websites der documenta fifteen rumdaddelt, entstehen, durch aufeinander bezogene Striche, überall Hände, deren Finger sich ebenfalls aufeinander beziehen. Diese Geste von im Prozess entstehenden helfenden bunten Händen links und rechts den Texten und Bildern entlang verweist auf das Thema dieser documenta, auf ineinandergreifende Hände, die wie aus dem Nichts entstehen und ein gemeinsames Wirken zur Entfaltung bringen.

Ja, es sind ja schließlich bei aller im Vorgergrund stehenden Gemeinsamkeit einzelne Hände, die etwas in einen Korb füllen, die eine Frucht ernten oder etwas richten, damit etwas daran wachsen kann. Oder wenn jemand Durst hat, ist dieser mit der schönen allgemeinen Idee, dass alle etwas zu Trinken bekommen sollten, noch nicht gestillt. Dazu bedarf es Gefäße, Schöpfgerät und eben wieder Hände, die das labende Getränk dann auch wirklich den Durstigen reichen.

Die Hände gehen dabei manchmal geheimnisvolle Wege, sie sind fähig, mit anderen gemeinsam große Energien zu entfalten und viele Hände zusammen können Dinge schaffen, die sonst nur große Maschinen mit unendlich viel Kraft realisieren. Die Macht der Hände wird nicht in Indonesien erfunden worden sein, doch während in anderen Ländern die Maschinen längst übernommen haben, was früher aufeinander abgestimmte Menschenhände genausogut konnten, wird dort bis heute in vielen ländlichen Gegenden durch der Menschen Hände Arbeit das Tageswerk gestaltet. Deshalb die direkte Dauerpräsenz der Hand bei der documenta fifteen.

Vor einer Woche habe ich meine Hände unter der Bettdecke begraben. Corona machte es mir unmöglich, auch nur kleinste sinnvolle Dinge zu tun. Ich bekam gerade noch kleine Tagesgedanken zustande, Marginalien, doch in die Stadt und unter die Menschen zu gehen war unvorstellbar. Meine Hände waren froh, allein sein zu dürfen und mich schlafen zu lassen. Auch das können unsere Hände.

Jetzt geht es wieder aufwärts, Corona verblasst am Horizont meiner grauen Schädeldecke, die in den letzten Tagen vor allem nur düster und in kühlen Nebeln war. Nun kommen meine beiden Hände langsam wieder unter der Decke hervor. Bald gehe ich auch wieder in die Stadt und werde staunen, wieviel los ist und was Hände um mich herum alles so miteinander tun.