d15 – Klassische Skulptur

Das ist Shabu Mwangi, einer der Gründer des Wajukuu Art Project in einem dichtbesiedelten Slum östlich von Nairobi, wo er lebt und arbeitet. Er wollte schon als Kind Künstler werden. Neben seiner Arbeit als Maler und Bildhauer unterrichtet er inzwischen selbst Kinder. Hier ist er vor der Wellblechhütte zu Hause zu sehen, wie er an einer Holzskultptur arbeitet. Beim Betreten der Documenta werden die Besucher von dieser Staute begrüßt.

Von vorne sieht die Plastik aus wie ein feingliedriger weiblicher Torso. Beim Geschlecht ist eine Öffnung zu erkennen. Alles scheint in der Schwebe zu sein, die Figur steht unaufdringlich im abgedunkelten Raum. Sie tanzt fast. Das fein geschliffene Holz möchte berührt werden, was selbstverständlich untersagt ist.

Dann, wenn die Betrachterin um die Skulptur herumgeht, zeigt sich ein ganz anderes Bild, nämlich Schmerz, Leiden, Zerstörung, denn überdimensionale Nägel stecken im Holz, Drähte, Eisenteile:

Shabu Mwangi hat verschiedene Ausdrucksmittel für das gefunden, was er uns zeigen will. Wer den Film anschaut, der im Raum neben seiner Skulptur gezeigt wird, lernt in diesem Menschen einen ausdrucksstarken, in sich gegründeten Künstler kennen. Obwohl Mitglied eines erfolgreichen Kollektivs und seit vielen Jahren dessen aktiver Mitgestalter, ist Shabu Mwangi auch ein ausgeprägtes Individuum, das auf der documenta fifteen eine Plattform für seine Kunst erhalten hat.