d15 – C&A-Fassade

Die Fassade von C&A am Opernplatz in Kassel in unmittelbarer Nähe des Fridericianum wird documenta-Standort sein. Im Moment gibt sich die Fassade verhalten bis deprimierend, aber das wird sich bald ändern.

Beim Wort «Fair Fashion» kommt uns sicher nicht als erstes C&A in den Sinn, doch diese Firma stellt sich inzwischen engagiert gegen Kinderarbeit und kümmert sich seit einigen Jahre um faire Textilproduktion, indem sie auf nachhaltige Materialien setzt, dabei hohe Maßstäbe anstrebt und einiges davon wohl schon jetzt erfüllt.

Momentan hängt ein Banner an der Fassade, es ist eine schöne Frau, die ein C&A-Kleid trägt und für den Wandel in der Textilindustrie wirbt:

Das Bild mit der exotisch schönen Frau im Sommerkleid wird im Schaufenster nochmals präsentiert, dazu ist auch das Kleid in 3D zu sehen. Das knielange Kleid trägt nicht, wie auf dem Bild auf der Fassade, eine Frau mit dunkler Haut, sondern ein Model ganz in weiß.

Auf beiden Bildern sehen wir im rechten Bildteil, einmal von vorn, einmal von hinten, die hohe Büste von Louis Spohr, ein in Kassel bekannter Komponist, der in Hessen gern mit Mozart und Beethoven auf gleiche Höhe gestellt wird. Ich vermute, dass er bei dieser documenta leer ausgehen wird, denn mit ihm werden sich die Reißzähne (das indonesische Institut für bürgernahe Kultur namens Taring Padi) wohl nicht auseinandersetzen, wenn sie die C&A-Fassade bespielen werden. Sie interessieren sich vielmehr für die Ideen fairer Textilherstellung und dem Cradle to Cradle Prinzip, das auf Kreislaufwirtschaft und Müllvermeidung setzt.

Ich freue mich, bald interessantere Eindrück von dieser tristen Gebäudefassade präsentieren zu können. Und über Spohr werde ich mich bemühen kein unnötiges Wort zu verlieren, gehört er doch zur Phalanx jener Masse von typisch westlichen, weißhäutigen Männern des 18. und 19. Jahrhunderts, die das egomane Privileg auslebten, Kunst auf Kosten ihrer Frauen und überhaupt der meisten Menschen zu machen. Diese zum Glück restlos hinabgesunkene Zeit wird heute als dunkles Zeitalter kolonialistischer Unkultur gebrandmarkt. Also höchste Zeit, sich zukunftsträchtigeren Themen zuzuwenden. Wir werden von diesem wunderbaren Musiker eisern schweigen.

Mit Gruß