d15 – Direkt ins Herz

Der strophische Gesang eines Dengbêj geht ohne Umweg direkt ins Herz. Die Intensität seines Vortrags, seiner Stimme, Gestik und seines Schmerzes, wenn er von Krieg und Erniedrigung singt, ist schwer auszuhalten. Die Geschichte der professionellen Volksliedsänger der Jeziden geht bis in vorislamische Zeiten zurück.

Im Gloriakino wurden sie gewürdigt. Der Film über diese auf dem eigenen Atmen singenden Männer und Frauen ergänzt den in Dauerschleife laufenden Film auf der ersten Etage des Fridericianums, den wir selbstverständlich als hypervolkstümlich aus den ehrbaren Kunsträumen dieses Museums wünschen mögen, den wir aber auch einfach auf uns wirken lassen können.

Hier zwei Ausschnitte mit den typischen Schnurrbartmännern der Jesiden in der östlichen Türkei an der Grenze zu Armenien. Was sie an Intensität und Lebens-Schmerz-Erfahrung in ihre Lieder kleiden und die Art ihrer Performance lässt noch die besten Rapper alt aussehen. Die Kraft ihrer Stimme und die Wucht der Atemführung ebenfalls.

Ich hatte bisher immer gemeint, das Wort «Heimweh» sei in der Schweiz erfunden worden in Zeiten, als dort Kinder in die Fremde verschleppt und dort missbraucht wurden. Jetzt weiß ich, dass die Eigentümer dieses Wortes im zentralasiatischen Raum zu suchen sind, beispielsweise bei den herzergreifenden Gesängen der Dengbêjs.

Herzlich