d15 – Der verstellte Blick

 

Das ist der eurozentristische Blick auf ein documenta-Bild. Im Vordergrund der großartige deutsche Komponist Louis Spohr, der in Kassel und Hessen und auch in der Landschaft der klassischen Musik eine große Achtung genießt. Seine Statue füllt mehr als ein Drittel des Bildes aus, das da zu sehen ist. Dadurch ist das Bild, das an der C&A-Fassade, einem documenta-Standort hängt, komplett unentzifferbar.

Im Moment habe ich den Eindruck, dass, je weiter weg von Kassel über diese documenta verhandelt – und gestritten – wird, umso schiefer und eingeschränkter der Blick auf die ausgestellten Bilder. Louis Spohr ist ja noch gar kein schlimmes Beispiel für den eurozentristischen Blick. Aber wenn die Bildinterpreten nur die (lebendige) Taube auf seinem Kopf gelten lassen und die Taube auf dem Bild des Kollektivs Taring Padi, das diesen documenta-Standort bespielt, für einen Adler erklären wollen, dann ist der Blick, egal welcher Kultur wir ihn zuordnen, schlichtweg grottenschief.