d15 – Ewig in der Schuld

Sie bleiben wohl ewig in der Schuld, die Verantwortlichen der documenta fifteen. Dan Periovschi, der noch weitermachen darf (im Gegensatz zu anderen), hat kürzlich den toten Vorplatz des Hauptbahnhofs mit etwa 50 verschieden großen grauen Graffitis verlebendigt. Dabei ließ er es sich nicht nehmen, gleich auch eine tüchtige Portion Gesellschaftskritik mitzuliefern.

«PRESSURE IS PRIVILEGE» steht in dicken Majuskeln unten auf dem Bild:

Massiv Druck auf Einzelpersonen auszuüben hat seit der d14 so extrem zugenommen, dass die sogenannten Fakten der d15 nur Symptom für das «Privileg» Mächtiger sind, jedem unwillkommenen Zeitgenossen eins über die Rübe zu ziehen. Der Druck kommt nicht selten von kleinen Minderheiten, bei der documenta fifteeen sind es vor allem Minderheiten jüdischer Vereinigungen, die gegen andere Minderheiten angehen, indem sie kundgeben, von diesen verletzt und in ihrer Würde beleidigt worden zu sein. Weil dann die, die wirklich Druck ausüben können, etwa Politiker und Medien, in diese Sache nicht hineingezogen werden wollen, stellen sie sich hinter die anklagende Minderheit und erhöhen den Druck so stark und so lange, bis die unterlegene Minderheit aufgibt und das Feld räumt.

Auf dem Graffiti sehen wir rechts ein Strichmännchen oder Strichfrauchen (sorry, aber ich sollte doch möglichst alles gendern 😇) ohne Mund und Ohren, betitelt mit: «d15 artist». Über dem Männchen oder Frauchen steht in dicken Lettern: «Was hast Du getan!» Mit Ausrufezeichen, also als schlagender Vorwurf gemeint und nicht wirklich als Frage tastend in den Raum gestellt. Links im Bild weitere Vorwürfe: «Warum hast du das getan?» – «Warum hast du nicht das getan?» – «Warum malst du so?»

Ich glaube, viele der Verantwortlichen der d15 haben inzwischen genau so ein Lebensgefühl wie das Strichmännchen, das in gleißende Zeige-Stink-Finger blickt, die allerdings eher wie Gewehrläufe aussehen und aus allen Richtungen in seine Augen schauen. Die artists dieser documenta können anscheinend malen, sagen, nicht malen und nicht sagen, was sie wollen, sie haben in jedem Fall ein Verbrechen begangen.

Und dann reden die Leute ganz oben so, als wäre Zensur in der Kunst kein Thema.