d15 – Gespräch im ruru-Haus

Im ruru-Haus sprachen gestern Künstlerinnen und Künstler mit Besuchern. In mehreren Sprachen wogten Wellen der Wertschätzung hin und hier. Im Publikum saßen Menschen still auf ihren Stühlen mit Dankesschildern.

Die einzelnen Statements waren von beiden Seiten von Ernüchterung und teilweise Wut durchsetzt. Zwei junge Nachwuchskünstler des rigoros in Verruf geratenen Kollektivs Taring Padi äußerten ihre Betroffenheit, dass ihre Arbeit in den Medien nicht dargestellt worden sei.

Von links nach rechts: Ein Vertreter von Taring Padi, der Künstler Richard Bell und Kurator Philippe Pirotte

Richtig, die Arbeit wurde in den Medien missachtet, ja sie wurde geächtet. Das ist misslich und hat eine Geschichte, die hier nicht aufgerollt werden kann und auch nicht muss. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille, die andere lautet: Eure Arbeiten sind gesehen worden. Viele hundert Tausende von Menschen haben eure Bilder angeschaut! Der Standort Hallenbad Ost, wo sie hängen, hat sich im Verlauf der Monate zu einem der beliebtesten Standorte dieser documenta gemausert. Die Leute stehen Schlange und kommen bewegt wieder heraus. Sie sind dankbar für die Begegnung mit der visionären Bilderflut, die sie dort erwartet

Soviel zum Geschehen vor Ort. Das gibt Grund zur Freude. Doch Künstler, so mein Eindruck vom Austausch gestern, sind Mimosen und Diven, gleich welchen Geschlechts oder Zwischengeschlechts. Sie wollen immer mehr als sie kriegen, wollen warme Brötchen und Butter obendrauf und dicken Aufstrich dazu, Ananas, Kren und Kaviar. Manchmal vergessen sie, dass der Kaviar der Rüstungsindustrie und ihren Vasallen gehört, ihnen allein, da kommt Kunst nicht heran, denn es gibt keine Schnittstellen.

Dass Kunst so etwas wie das Salz in der Suppe ist, müsste als Lebensgefühl genügen, tut es jedoch nicht. Ist ja auch schwer, wo unter Kunstschaffenden doch so viel an der Transformation der Materie gearbeitet wird (Achtung «Falle Joseph Beuys»: Jeder Mensch ein Künstler, auch Menschen aus der Rüstungsindustrie).

Gruß