d15 – Halbe Sache?

Torwache documenta 14

Der erste Eindruck war überwältigend, die Torwache und das gleich große Gebäude gegenüber am Eingang zur Innenstadt waren komplett verändert. Ihr Äußeres war in eine Installation von Ibrahim Mahama gehüllt. Eine gigantische zusammengenähte Jutesack-Collage erzählte an der Außenfassade dieses Gebäudes Geschichten des globalen Handels, individuelle Erzählungen von Besitz und Enteignung, Narben einer größeren Narration von Migration wie auch Techniken der Maskierung und Tarnung.

VERHÜLLEN wird auch diesmal Thema auf der documenta sein. Die Vorderfront der Documenta-Halle gibt sich schon länger in neuem Outfit. Alte, abgewirtschaftete Wellbleche sind über die gesamte Front angebracht worden. Es heißt, die documenta-fifteen-Besucher würde ein abenteuerlicher Eingang erwarten. Genaueres ist noch nicht bekannt. Was allerdings klar zu sein scheint: Es wird nur die Vorderfront mit diesem Billigbaumaterial verkleidet, der Rest bleibt wie er ist und immer war:

Je nach Künstlerin und Herkunft, kann ich mir vorstellen, dass man sich wohler, mehr zu Hause fühlt, wenn ein solcher Glaspalast und Kunstbau an das Outfit heimischer Gebäude erinnert. Aber was ist das künstlerische Konzept dahinter? Wieso wurde nicht die ganze schicke Dokumenta-Halle in eine abgewrackte Blechhütte verwandelt? Könnte der Eindruck einer Attrappe entstehen, wenn man vor dem Haupteingang stehenbleibt, sich beeindrucken lässt, dann um die Ecke glotzt und dort von unten bis unters Dach Glaswände wie ehedem entdeckt?

Nun, freuen wir uns auf die Ankündigung, dass das Eintreten in diese Halle dieses Mal ein Abenteuer werde. Die Bleche erinnern durchaus an Abenteuer, sie haben schon einiges hinter sich. – Und inzwischen haben das ja auch sämtliche documenta-Besucherinnen und -Besucher.