d15 – Warum keine fröhlichen Inhalte?

In einem Aufsatz, der den Trend zu Kollektiven im Zusammenhang mit der documenta fifteen kritisch beleuchtete, las ich den Satz: «Statt mit Themen zu bekehren, wird das Publikum mit fröhlichen Inhalten umarmt.»

Wieso sich gegen Umarmungen wehren?! Ich habe nichts gegen sie. Joseph Beuys meinte seinerzeit mit schallendem Lachen und aufgreissenem Pferdegebiss: «Wieso soll die Revolution nicht lustig sein?! Wir wollen bei der Umgestaltung des Sozialen lachen und unseren Spaß haben». Wieso also die documenta kritisieren, nur weil sie uns mit «fröhlichen Inhalten» umarme?

Wenn wir einen Blick auf den indoneisischen Geschichtenerzähler Agus Nur Amal Pmtoh werfen, wie er hier auf dem Bild Schabernack treibt,

so hat er nicht nur Themen, von denen wir uns bekehren lassen können, er umarmt uns zusätzlich auch mit seiner Fröhlichkeit. Also nicht nur das, was die Zeitschrift kritisiert, hat er, sondern auch das, was der documenta ihrer Meinung nach fehlt. Agus Nur Amal Pmtoh hat im Vorfeld der documenta mit Kasseler Schulkindern Geschichten erfunden und dazu mit Materialien experimentiert. In seiner Perfomance während der Pressekonferenz, drei Tage vor Eröffnung der Ausstellung, erzählte er von diesem Projekt. Er fragte die Schülerinnen und Schüler, wie die Fulda in hundert Jahren aussehen würde, in einer Zeit, in der vielleicht ihre Urenkel in Kassel leben werden. Das Thema «Wasser» und «Wasserkreisläufe» ist auch das Zentralmotiv des Hauptfilms, der in der Grimmwelt über den heiteren Geschichtenerzähler mit seiner unverkennbar überirdischen Kopfstimme gezeigt wird.

Vielleicht möchte er uns mit seinen Themen nicht bekehren, aber nachdenklich machen möchte er uns schon. Und dies mit viel Schalk und Situationskomik. Und statt den Zeigefinger der Bekehrung zu erheben, lobt er die Menschen, wenn er sieht, wie sie miteinander agieren und, wie im angedeuteten Film, in den Quellregionen indonesischer Flüsse gemeinsam das Wasser verwalten, das sie für das Leben und für die Bewässerung ihrer Reisfelder brauchen, aber so brauchen, dass sie eine enkeltaugliche und keine ausbeuterische Wassernutzung betreiben.

Wie schön, im Kunstforum lobende Worte über das Bemühen von Agus Nur Amal Pmtoh lesen zu dürfen! Bitte mehr davon, und das Anliegen des Kuratorenteams ruagrupa tritt mehr und mehr in seine eigentlichen Rechte.