d15 – Keine Siegerparade

Die documenta fifteen ist friedlich. Sie ist nicht dafür da, um irgendeiner Siegersprache zum Durchbruch zu verhelfen. Dennoch haben sich einige nicht zur documenta gehörige Player aufgemacht, um sie niederzuringen, ich könnte auch sagen zusammenzuschlagen, und zwar so, dass sie irgendwann die Glieder streckt.

Es mag sich anfühlen wie ein Griff ins Klo, wenn ich das Buhlen um thematische Hoheitsrechte und Political-Correctness-Scores mit dem Schwergewichtboxen vergleiche. Von der Niveaufrage her gibt es allerdings leider tatsächlich Parallelen. Deshalb erlaube ich mir den folgenden kleinen Exkurs.

Gerade dann, wenn ein Boxschwergewicht den Gegner niedergerungen zu haben glaubt, ist die Wende für den Gegner oft zum Greifen nah. Plötzlich kippen die Vorzeichen! Und, zack ist die totale Wende da. So war passiert in diesem düsteren, blutrünstigen Geschäft regelmäßig. Selbst Mike Tyson, der Superboxer, der fast keinen Kampf verlor und kaum je zu Boden gegangen war, musste am 11. Februar 1990 teures Lehrgeld bezahlen. Er stand gegen James Douglas im Ring und hatte ihn bereits übel zugerichtet. Ein Uppercut ließ Douglas zusammenbrechen, als hätte ein Eber einen Genickschuss abgekriegt. Douglas blieb bis zur Zahl 9 am Boden. Eine Schande für jeden Boxer. Dann stand er langsam auf, konnte knapp etwas Halt auf seinen Beinen finden. Jetzt konnte es sich nur noch um Sekunden handeln. Der Ringrichter gab den Kampf wieder frei. Doch bevor Tyson sein Werk der Zerstörung vollenden konnte, klingelte die Glocke zur Pause. Danach waren die Rollen aus unerfindlichem Grund auf einen Schlag wie vertauscht. Wer in diesem Gigantenkampf schließlich endgültig am Boden liegen blieb, war sage und schreibe Mike Tyson. Das hätte bis zu diesem Augenblick keine und keiner gedacht.

Ich sag’s ja nur. Kommt wohl nicht ganz selten vor. Doch wie gesagt, diese documenta will alles andere sein als eine Plattform für Streit und Antisemitismus. Vielmehr sollte es das Fest einer durch Kunst vermittelten Friedensbemühung sein. Ein Fest der Farben und der Generationen mit all ihren Eigenheiten, Genialitäten und Behinderungen. Nicht nur das Outfit dieser documenta ist eine Mischung aus Peace, Queer und Regenbogen – die Stadt selbst ist es, zwar gibt es noch keine Christopher Street wie in New York, aber es gibt viele ganz schön bunte Straßenecken und viele in den Straßen herum irrende Gäste mit ebenso bunten Stadtplänen. Von der allgemeinen guten Laune hat sich selbst Nivea anstecken lassen 👍:

Bild oben: Vier Stadteile mit Standorten, nach Farben eingeteilt. Bild Mitte: Hauseinang neben dem Café Buchoase. Bild unten: Selbsterklärend.

Gruß