d15 – Bazon Brocks Pauschalverriss von Kollektiven

Ästhetikdozent und Kulturvermittller, Professor Bazon Brock

So einfach wie sich Bazon Brock die Sache mit den Kollektiven vorstellt, ist es denn doch nicht. Kürzlich führte der Kunsttheoretiker und ehemalige Aktionskünstler im Deutschlandfunk aus, dass durch die Kollektive, wie sie zur Zeit auf der documenta fifteen gehäuft versammelt sind, nichts weniger als die Kunst liquidieren würden. Diese steile Verlautbarung sitzt. Und Brock setzte noch einen drauf, indem er behauptete, die Kunst zu liquidieren sei «das alle Zeiten beherrschende Schema des Totalitarismus».

Weil der streibare Professor so denkt, ist für ihn die diesjährige documenta «die beste aller documentas, weil sie die Situation der Weltlage am besten abbildet». Was zur Zeit in Kassel geschehe, sei die Abschaffung der Grundlage für künstlerisches Tun, nämlich die Abschaffung des Autors, des Künstlers, der Individuums. Wer so vorgehe, mache genau das, was alle Diktatoren auf dieser Welt tun würden.

Ich muss sagen, irgendwie spricht mir Bazon Brocks Engagement für das Künstlerindividuum aus der Seele. Andererseits bleibt in mir das Gefühl zurück, das diese Art des Argumentieren genauso an dieser documenta vorbeiredet wie es Steinmeier tat oder die Vertreter des Zentralrats der Juden oder Frau Dorn und so weiter…