d15: Kranenmann

Der rumänische Künstler Dan Perjovschi

Heute waren wir vor dem Fridericianum. Gleich wurde ich vom Fernsehen interviewt, das Impressionen vor der documentaEröffnung einfangen wollte. Ich fühlte mich den Frage gewachsen und freute mich, als sich der Mann mit dem Mikrofon nach Beendigung unseres Gespräches von mir weg und seiner Kollegin an der Kamera zuwandte und zu ihr sagte (ohne dass ich es hätte hören sollen): «Der war gut.»

Noch viel besser aber fand ich den Künstler – der Name wird noch nachgereicht – auf der Hebebühne, der gerade eben dabei war, die sechs hohen Säulen vor dem Firdericianum mit Kunst zu bemalen. Die Säulen schwarzgrau eingefärbt, er mit einem Kübel mit weißer Farbe und einem dicken Pinsel bewaffnet fuhr an den Säulen rauf und runter und malte Graffiti in die konvexen Rundflächen.

Was er hinschrieb, davon morgen mehr. Für heute nur das Bild: Er war weit oben mit Malen beschäftigt, da kamen unten zwei Frauen, eine betreut, die andere betreuend, die erste im Rollstuhl, mit nur wenig ausgebildeten Armen und Beinen, die zweite den Rollstuhl schieben, kamen an die Säule heran, in deren oberem Bereich der Künstler gerade an der Arbeit war. Es entstand ein Gespräch zwischen ihm dort oben und den beiden Frauen unten.

Berenike und ich standen weiter weg, versuchten die Graffiti zu entziffern und mit Verstand in Verbindung zu bringen. Da sahen wir, wie der Maler nach etwa drei Minuten seine Hebebühne betätigte und langsam zu Boden sank, um mit den zwei Frauen auf gleicher Höhe, in Augenhöhe, weiterzureden.

Mit diesem Bild einer tatsächlich aus dem Alltag in unser Bewusstsein springender Zuversicht zogen wir davon.