d15 – Kunst und Emotion

Nocheinmal der Graffitikünstler Dan Perjovschi. Er hat vor einigen Wochen drei Transparente zwischen die Säulen des Fridericianums gehängt. Diese sind inzwischen abgenommen worden und der Künstler hat die Säulen selbst bemalt.

Als ich las, war er auf die drei Tücher geschrieben hatte, stellte sich mir die Frage nach der Kunst. Perjovschi, 1961 in Sibiu, Rumänien, geboren, ist unter den rumänischen Künstlern einer der wichtigsten Vertreter, die sich entschieden in globale gesellschaftspolitische und kulturelle Zu- und Missstände einmischen. Gesellschaftskritische Kunst sollte, so dachte ich, klare Aussagen machen, aber sie sollte sich auch nach ihren eigenen Regeln organisieren und vielschichtig, uneindeutig, vieldeutig sein. Die Aussage des Künstler auf dem mittleren Transparent ist jedoch vor allem eins, nämlich klar und eindeutig:

«STOPWAR – STOPUTIN»

Als Rumäne wird der Graffitimann das Recht auf solche Eindeutigkeiten haben. Sein Land hatte nicht nur, nein, es hat bis heute unter kommunistischen Einflüssen zu leiden. Wenn also Perjovschi auf einen einzigen Kriegsverbrecher hinweist, den es zu stoppen gelte, soll ihm dies zugestanden werden. Mir scheint, er hat dennoch recht viel mehr Kunstverstand in die Sprüche hineingeheimnisst, die er später auf die Säulen direkt malte, Sprüche und Zusammenhänge, die vielschichtige Betrachtungs- und Denkweisen anbieten.

Ich brauche keine Definition von «Kunst». Die menschliche Schöpfungskraft kommt ohne vereinheitlichende Weltformel aus! Doch eines drängt sich mir auf, es ist der Eindruck, dass dort, wo sich Kunst in Emotionen erschöpft, ihre Möglichkeiten nicht ausgeschöpft sind.