d15 – Erstaunlicher Kunstraum

Jumana Emil Abboud inszeniert Räume mit Spieltrieb und verschiedensten Medien. Sie nutzt künstlerisches Können und verbindet Persönliches mit Kollektivem. Um den Film herum, der sie in der Hafenstraße in der zweiten Etage zeigt, hat sie Zeichnungen, Talismänner aus Wachs, Wandbilder und Holzarbeiten drumrumgebaut.

Im Film selbst verarbeitet sie die Geschichte vom Halben Halbling und von der Kuh der Waisen. Elemente dieser palästinensischen Erzählungen gibt es in anverwandelter Form auch bei den Märchen der Brüdern Grimm. Und wir brauchen nicht einmal die Brüder zu bemühen, denn wir kennen sie durch unser Innenleben, das trotz der gigantischen Entfremdungen um uns herum und in uns drinnen und trotz der Differenzen, die zwischen der Welt der Palästinenser und unserer Welt bestehen, so etwas wie Heimweh und Sehnsucht nach einem integralen Leben hat, eine Sehnsucht, die in der Verbundenheit mit der Natur und dem Geistigen zum Ausdruck kommt.

Was Jumana Emil Abboud am Eingang zum genannten Raum in einem gerahmten Bild manifestiert, wiederholt sich dann im Film, nämlich ein Bekenntnis zum modernen Glauben an das Geistige. Sie erlaubt sich, dieses nicht abstrakt als Geistigkeit oder Spiritualität zu bezeichnen, sondern sie nimmt den alten Namen dafür, den noch unsere Großmütter in den Mund zu nehmen wussten. Sie spricht, und dies auf einer Welt-Kunst-Ausstellung, unumwunden von Gott.

«Hab‘ Gottvertrauen», was für eine ungewohnt direkte Geste geistigen Eingewurzeltseins in das uns umgebende Unsichtbare, Implizite, quantitativ nicht Messbare.