d15 – Lost in Translation

Diesen Titel trägt ein witziger Film – und ganz nach diesem Titel gab sich gestern das Gespräch im Gloria Kino.

Vertreterinnen und Vertreter des 2015 in Uganda gegründeten Kollektivs ARAC (Another Roadmap Africa Cluster), das sonst in Afrika Gespräche über Kunst und Bildung führt, versuchte gestern mit Besucherinnen und Besuchern der documenta fifteen ins Gespräch zu kommen.

Erst wurden einige Filme gezeigt, dann ging ein Gespräch los. Na ja von wegen «Gespräch». Eine Zuschauerin fragte, wie die Filmemacher die verschiedenen Stile beschreiben würden, wonach sich schwarze und weiße Menschen gegenseitig die Kultur der anderen Hautfarbe aneignen oder eben nicht aneignen würden. Die Frage wurde natürlich sehr viel komplizierter gestellt. Erst musste die englisch gestellte Frage von der schwarzen Frau von ARAC ihrem Kollegen links von ihr ins Französische übersetzen. Er entschuldigte sich für sein schlechtes Englisch und dafür, dass er die Frage auch in der französischen Übersetzung nicht wirklich verstanden habe. Seine Übersetzerin versuchte nun, die Frage in eigenen Worten auf Englisch zu wiederholen und fragte die Zuschauerin, ob sie das so richtig verstanden habe. Diese war unzufrieden, wiegte immer nur mit dem Kopf und wollte ihre Frage nochmals neu formulieren. Doch da hatte der Regisseur, der sich, ohne es zu bemerken, so vor der Beleuchtung des Kinos aufgestellt hatte, dass über ihm eine Art Heiligenschein leuchtete, die Flucht nach vorn ergriffen und redete auf Französisch, der Sprache der Kolonialisten seines Landes, ins Blaue. Irgendwann diskutierten dann nur noch er und seine Übersetzerin in ihrer «Muttersprache» (Französisch 😉), dann nahm sie auf Englisch nochmals Kontakt zur Zuschauerin auf, die wohl noch immer nicht verstand, aber, wie wir alle im Saal, ganz gerührt war von so viel Engagement.

Die Beantwortung der Frage gegenseitiger Beeinflussung oder Nicht-Beeinflussung von schwarzen und weißen Menschen in Afrika blieb in den Netzen der Übersetzungsfallen hängen, die Leute von ARAC hatten trotzdem die volle Sympathie des zahlreich erschienenen Publikums. – Was für ein schöner Abend! Sprache ist ja nicht nur das, was man sich mit Worten mitteilt…

Gruß