d15 – Was aus dem Tag machen

Vom Dalai Lama gibt es viele sinnige und launige Sprüche. Kürzlich erwähnte ich ihn deshalb schon einmal. Vom Dalai Lama gibt es eine Beschreibung, wie er sich jedesmal bei Tagesbeginn darauf freut, an diesem Tag Schönes und Gutes zu tun, was ihn und die Menschen um ihn herum erfreut und erfüllt.

Heute ist Samstagmorgen. In Jakarta hat schon der Nachmittag angefangen. Diese beiden Uhren hängen über dem Tresen des documenta-Pressezentrums. Wer in Jakarta noch was Schönes und Gutes tun will, muss sich langsam beeilen, der Tag ist schnell vorbei.

Hier in Kassel brummt das documenta-Geschehen, viele sind unterwegs und wollen was tun. Sie haben Ideen, die sie mit anderen Menschen, die sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht kennen, umsetzen wollen. Talks, Spaziergänge, kleine Konzerte, Rundgänge, Abhängen bei einem Getränk. Das ist nicht nur das Programm, das ist seit einigen Tagen die Stimmung in der Stadt. Wer das miterlebt, kann das, was in den Zeitungen steht und über das Netz rauscht, mit Fassung und etwas Distanz ertragen.

Gestern Abend hatte ich mit C. noch ein intensives Gespräch. Ich hatte meinen Respekt davor ausgedrückt, dass sich ruangrupa für das problematische Bild entschuldigt habe. C. fand es hingegen eine weiteren Beweis für eine Art Entschuldigungs-Unkultur aus Angst vor der cancel culture. Er empfand die Entschuldigung als Eingeständnis, dass ruangrupa beleidigende und diskriminierende Aussagen beziehungsweise Handlungen zugelassen habe, die zu unterbinden ihre dringende Aufgabe gewesen wäre.

Wo wir einer Meinung waren, das war die Tatsache, dass sich der Bundeskanzler nicht vor Ort ein Bild von Kassel und der documtena verschaffen will, sondern trotzig seine Teilnahme absagte. Verständnis dafür hätten wir beide nur dann, wenn er offen gesagt hätte, der Eklat um die documenta komme ihm gerade recht, weil er echt keine Lust darauf habe, mit einem solchen Besuch einen weiteren Staatsakt seinem von Staatsakten vollen Leben hinzuzufügen.