d15 – Menschenmaß

Das Thema der documenta fifteen ist nicht der Antisemitismus. Auch nicht die Kunst im hergebrachten Sinn. Ebensowenig die auf der documenta vertretenen Künstlerinnen und Künstler.

Das Thema dieser documenta ist der Mensch.

Das ist die gute Nachricht. – Die nicht so gute, aj eigentlich gar nicht gute Nachricht ist: Ich habe noch nie so viel kaputte Häuser, Straßen, Städte und noch nie so viel schäbige Wellblechhütten gesehen wie in den vielen Videos auf dieser documenta.

Hier zwei kleine Ausschnitte aus dem Film The other Side of the River. Er zeigt Details aus einer Stadt in Nordsyrien, in der die kurdische Armee die Einwohner vom IS befreit hat. Auf der Straße (linkes Bild) ist noch Leben, rechts lebt nichts mehr.

Anscheinend besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Hauptthema «Mensch» und dem überall ins Auge springenden Faktum der Zerstörung. Dieser Zusammenhang wird auf der documenta kompromisslos in den Mittelpunkt gerückt. 

Dabei habe ich um ein Haar die Kinder vergessen. Man sieht sie überall auf den Videos, wissende Kinder mit kullernden, ruhigen, nicht immer nur staunenden, sondern oft auch traurigen Augen. Auch sie sind ein großes Thema, gleich auf welchem Standort. Vielleicht, ja offensichtlich sind die Kinder das allerbedeutendste Thema bei dieser Ausstellung.

Dieses Bild stammt ebenfalls aus dem oben erwähnten Film, der Teil des Filmprogramms der documenta ist. Ein kleiner Junge marschiert an der Seite seiner Schwester. Sie hält mit der Rechten ihr Gewehr umfasst. Er hält ebenfalls das Gewehr. Ausgerechnet das das Gewehr wird zum Sinnbild für die Verbundenheit dieser innig miteinander verbundenen Geschwister.

Das wäre also dann noch ein weiteres Thema, diesee sinnlose Sinnbilder-Fetischismus, den Menschen mit ihren omnipräsenten Waffen betreiben. Der Neun-Stunden-Film, der im Hübner Areal läuft, steigert diesen Eindruck bis ins Unerträgliche.