d15 – Die träumt der Mittelstand?

Der Künstler Dan Perjovschi fragt aus dem Hinterhalt. Um zu dieser Frage vorzustoßen, muss in ihm wenigstens ein Hauch von Antwort angelegt sein.Die von ihm eingeschwärzten, mit Bildern und verschlüsselten Texten teilweise wieder aufgehellten Firdericianumssäulen bieten aufmunternde Bezüge zum Geschehen in der und rund um die documenta.

Für mich drängt sich zur Zeit allerdings noch eine andere Frage auf. Es ist die Frage, wer in der Öffentlichkeit oder im Bundestag beweisen kann, dass er oder sie über die Vorwürfe, die den documenta-Machern gemacht werden, urteilen darf – und kann. Mir scheinen die wenigsten dazu berechtigt zu sein, auch wenn sie sich dazu autorisiert haben. Sie geben sich elitär in ihren Ansprüchen und qualitätsgeeicht, was ihre Meinung betrifft, doch gleichzeitig strahlen sie eine extreme und extrem leicht durchschaubare Mittelmäßigkeit aus, die sich möglicherweise – der Künstler scheint vorsichtig fragend darauf hinzuweisen – auch in mittelmäßigen Träumen zum (Nicht)Ausdruck bringt.

Das ist etwas anderes als der große Traum von Martin Luther King, der ein Sprachrohr für Minderheiten und die Dritte Welt war, ein Sprachrohr, das zu hören der Mittelklasse nicht nur schwer fällt, sondern ein Sprachrohr, das zu hören sie noch immer am liebsten verbieten würde. Wer Unrecht an Menschen weghaben möchte, darf weder mittelmäßig denken noch sprechen. Wenn die Schreiber und Politikerinnen, die Kulturalisten und Gutmenschen miteinander auf eine bessere Ebene der Verständigung kommen wollen, müssen sie aus dem Vollen schöpfen, ihr volles menschliches Potential entfalten. Solange sie dies nicht tun, nur weil andere um sie herum es auch nicht tun, mag ihnen auf lange Sicht niemand mehr zuhören und schon gar nicht mehr etwas von ihren Träumen wissen wollen.