d15 – Neu verzierte Beuyssteine

Heute berichtet die Zeitung schon wieder ganz anders über die so genannte Antisemitismuskontroverse der documenta als gestern. Ich mag nichts mehr dazu sagen, das wäre ja nur ein Zugeständnis an die Bedeutung einer ‹Kontroverse›, der momentan noch so ziemlich alles fehlt, um als Kontroverse ernst genommen zu werden.

Hier mal wieder der erste und der letzte Beuysstein. Der linke Stein mit dem schlecht wegretouchierten Hakenkreuz ist nun nicht mehr allein, was die Schmierereien betrifft. Er ist in fröhlicher Begleitung des Steins rechts, der, wie er, in helle rote Farbe getaucht ist.

Weiß jemand, was das für eine Sprache ist? Und was draufsteht? Ich weiß keins von beidem. Das ist mir schon fast gar nicht mehr peinlich, entdecke ich auf dieser documenta doch so viele Dinge (und Sprachen), die ich nicht verstehe.

Wer weiß, vielleicht geschieht in den nächsten Wochen etwas Vergleichbares wie beim hundertsten Geburtstag von Joseph Beuys vor einem Jahr. Zuerst wurde der berühmte Mann als Nazi und Feind des aufgeklärten Denkens, als gefährlicher Romantiker und Geistsucher durch die digitalen Netze und die Zeitungen geschleift. Es sah für kurze Zeit so aus, als würde sein Werk für immer erledigt sein. Dann drehte sich ab Mitte des Jahres das Blatt. Der Kunstsinn kam zur Sprache und die Vernunft kehrte zurück und am Ende des Jahres waren die billigen Debatten und Attacken um das Phänomen Beuys vergessen. Dies könnte so ähnlich auch mit der documenta geschehen. Sie scheint so viel Dynamik in sich zu haben, dass sie die momentane Engführung des Diskurses wieder zu weiten, die Kunst wieder in die Mitte zu rücken versteht.