d15 – Nicht in Kassel

Dieses Portät kennen wir bestens, sowohl was den Künstler als auch was die Abgebildete betrifft. Das Porträt sei vor einigen Tage für 195 Millionen Dollar in New York verkauft worden. Dies, so in einem Kommentar nachzulesen, sei ein «Zeichen für den Kunstmarkt der heutigen Zeit».

Ich wüsste natürlich recht gerne, was die «Zeichen des Kunstmarkts» sind. Und überhaupt: Welchen Kunstmarkts? Jedenfalls nicht des Kasseler Kunstmarkts. Und auch nicht des documenta-Kunstmarkts. Geldgeschäfte und solche Name-Droppings wird es auf der diesjährigen documenta wohl nicht geben. Gab es sie schon mal?

Wieviel das Feiern, Sharen, Erdeschippen, Werkeln, Bosseln, Papptafelnmalen, Weben, Korbflechten, Bierbrauen, wie es zur Zeit das documenta-Vorbereitungs-Geschehen dominiert, mit den Zeichen des Kunstmarkts zu tun hat, das wäre erst noch gründlich zu beschreiben. Wie auch immer, ich bin froh, dass die Stadt nicht von den berühmten Kunstprofis, beispielsweise von Jeff Koons und seiner Armada ergebener Mitarbeiter überschwemmt wird. 

Hingegen vermisse ich ein bisschen Marina Abramović und ihr Team, die ich in Frankfurt bei der Veranstaltung Anders Hören – Die Abramović-Methode für Musik erlebt habe. Die Aktionskünstlerin kann mir zwar keinen Beuys ersetzen, aber was sie mit ihm verbindet, ist eine faszinierende Mischung aus Künstler-Ego und Sozialfähigkeit. Gegen solche Figuren habe vorerst ich nichts.

Vielleicht warten solche Figuren ja auch schon in den Startlöchern der kommenden documenta, und wir haben das Vergnügen, sie erst kennenzulernen, weil sie noch nicht so berühmt sind wie Warhol, Koons, Beuys und Abramović. Das hat Vorteile für die Künstlersubjekte – genauso wie für die Publikumsubjekte.