d15 – Poesie und Geschenke

Auf diesem Bild sind Teile von einem Riesentrecker abgeblidet, der zur Zeit einen Standort in der Karlsaue ziert. Dazwischen die Spur eines Lebewesens mit einem vor dem Grün abstehenden Netz, in welchem sich Licht verfing. Solche Bilder gibt es viele auf dieser documenta. Ich meine Zusammenhänge, die sich aus dem Nichts ergeben und neue Gestalten hervorbrigen. – Und die Einbildung beflügeln. Jedenfalls für die, die hinsehen, aufmerksam schauen wie es der Fotograf hier getan hat.

Und noch etwas kommt häufig vor. Heute habe ich eine Führung mitgemacht. Die Anleiterin erzählte, sie habe noch nie so viele freundliche Menschen getroffen wie auf dieser documenta. Und noch nie so viel Kontakt mit den Künstlerinnen und Künstlern gehabt, die ausstellen. Auch bekomme sie immer wieder Geschenke von ihnen. So fragte sie einen Künstler, der besondere und besonders aufwendig gemachte Bücher präsentierte, wo man diese Bücher herbekomme, sie würde gern eins kaufen. Die seien nicht verkäuflich und auch auf dem Buchmarkt nicht erhältlich, habe der Künstler strahlend gesagt und eins der vor ihnen liegenden wertvollen Exemplare in die Hand genommen, ihr hingestreckt gesagt: «Aber wenn Du eins brauchst, schenk ich Dir dieses da». 

Dann zählte sie noch auf, was sie sonst schon alles geschenkt bekommen habe.

So und kein bisschen anders sieht das Alltagsleben eines oder einer aufgeschlossenen Sobat-Sobat aus, wie die Guides auf der diejährigen documenta genannt werden. Freundlichkeit, gute Laune, Mitteilungsfreude, Teilen, Schenken, Teilhaben, Großzügigkeit und wie die Schlüsselworte alle heißen, die nicht nur aus dem Mund der Kunstwilligen kommen, sondern anscheinend auch aus ihren Herzen. Für sie gilt, was der Künstler Barnett Newman einmal gesagt hat: The Sublime is now.