d15 – Rauchzeichen

 Der Zwehrenturm im südöstlichen Teil des Fridericianum 2017 (links) und 2022

Während der documenta 14 gingen permanent Rauchzeichen hoch. Sie bescherten der Feuerwehr über 800 zusätzliche Feuermeldungen besorgter Bürger. Die Rauchmaschinen von Daniel Knorr verbreiteten eine allgemeine Unruhe. Die Rauchzeichen waren nach Athen gerichtet, wo der zweite große Standort der documenta war. Knorrs Installation schuf ein Bild der Bedrohung, das durch Banu Cennetoglus Arbeit „Being safe is scary“, die über dem Fridericianum hing, noch verstärkt wurde.

Der Subtext mancher Einzelbeiträge vorangegangener documentas, die damals noch als Exotic eingestuft werden konnten, scheint sich auf der morgen offiziell eröffnenden documenta zum Grunddiskurs verdichtet zu haben. Die Rauchzeichen von ruangrupa gehen rund um die Erde. Das bei der vergangenen documenta einberufene Parlament der Körper, in Anlehnung an mikropolitische Selbstorganisationen, die gemeinschaftliche Praktiken und künstlerische Experimente durchführen, hat sich in eine Olympiade der Kollektive umgestülpt, einer globalen ‚Räucherstäbchen-Communitiy‘, wo jedes einzelne kleinere oder größere Räucherwerk seine Duftmarken entwickelt und in einer der Regenbogenfarben der Queer-Bewegung leuchtet. Dabei beschränkt sich diese Bewegung allerdings nicht auf Menschen, die den lesbischen und schwulen Mainstream vertreten, sondern auf eine viel umfassendere Masse ethnischer Entitäten, die in der bisherigen westlichen, amerikanisch geprägten Verteilungspolitik keinen oder keinen ihrer Bedeutung entsprechenden Platz in der Gesellschaft hatten.