d15 – Viel Arbeit im Hintergrund

 Das Tun der documenta fifteen steht unter dem Motto der Kornkammer. Ausgerechnet in diesem Sommer, in welchem wir alle nicht wissen, was aus der Ukraine, der Kornkammer Europas, wird, steht die documenta also von Anfang an unter einer existenziellen Signatur. Der Krieg in Europa wird eine Rolle spielen, doch die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler, die aus Mali, Syrien, Kolumbien und aus südostasiatischen Ländern stammen, wo es teilweise seit Jahren gewaltsame Konflikte gibt, werden die Kriegsproblematik groß halten, ich meine international. Und die Veranstalter, Ruangrupa, kümmern sich zurecht darum, dass es den Eingeladenen in Kassel gut gehen soll – das andere kennen sie zur Genüge.

Übrigens gibt es ein „Travel Department“ der documenta, es arbeitet im Hintergrund und organisiert die Anreisen der bis zu 1400 an der documenta fifteen beteiligten Menschen, die von überall her nach Kassel kommen. Visa zu bekommen sei, gerade auch in Zeiten einer Pandemie, überhaupt nicht einfach, berichtet die Lokalzeitung. Von einem Künstler aus Syrien weiß sie mitzuteilen, dass er illegal die Grenze in den Irak überquert habe, um von dort aus ein Visum zu beantragen. Damit diese Menschen überhaupt in der Documentastadt auftreten können, bedarf es einer guten Zusammenarbeit zwischen dem Auswärtigen Amt, deutschen Botschaften und den weltweit vernetzten verschiedenen Goethe-Instituten. Was da in den Kornkammern der analogen sozialen Netzwerke angereichert ist und für bestimmte Menschen nun als Werte geschöpft werden kann, ist bereits Teil des auf die Kunst und das Zusammenleben übertragenen Mottos der Kornkammer, in der, wie Ruangrupa es versteht, nicht nur materielle, sondern auch immaterielle soziale Werte für die Nutzung aufbewahrt sind.