d15 – War das die Vorband oder ein schlechtes Konzert?

Zur documenta fifteen verwandelt das Kollektiv OFF-Biennale Budapest einen Teil des Geländes beim Bootsverleih Ahoi am Ufer der Fulda in einen imaginären Spielplatz, auf dem «spielerisch neue soziale Modelle entstehen» sollen, verkündet die Medienabteilung der documenta. In der Zeitung ist eine Schulklassen präsentiert worden, die beim Bau Hand angelegt und mit den Spielplatzbauern vor Ort gearbeitet hat.

Kein Wunder, dass Berenike und ich einen Besichtigungsspaziergang in die Blücherstraße 22 unternahmen, wo diese hoffnungsvolle, auf Kinder und eine frohe Zukunft ausgerichtete Sache zur Zeit im Entstehen begriffen ist. 

Am Eingang des Geländes hören wir Hämmerschläge und das Eindringen von Nägeln in Holz: Ein kleiner Wald aus abgeasteten Fichtenstämmen steht da, jeder Stamm einzeln in ausrangierte Fässer zementiert. Das Ambiente erinnert an den ICE-Bahnhof Wilhelmshöhe, dessen Säulen von den hohen Baumstämmen im Habichtswald inspiriert worden seien.

Oben: Außengelände Bahnhof Wilhelmshöhe. Unten: Teil des documenta-Spielplatzes.

Bevor wir recht unsere Blicke schweifen lassen konnten, kam ein Mann auf uns zu und fragte, ob er uns helfen könne. Sehr nett. Er wurde von einem zweiten Mann begleitet, der uns schweigend ansah und dies durch die Gläser einer extravaganten Brille, gegen die die Modelle von Andy Warhol wie billige Kassenbrillen abfallen. Der Mann, der mit uns sprach, klärte uns ohne einleitende Worte darüber auf, dass wir Privatgelände betreten hätten und er uns bitte, dieses zu verlassen. Der Mann neben ihm nickte, ich auch. Und wir sollten so nett sein, das Tor (das wir beim Betreten des Geländes offen vorgefunden hatten) doch bitte zu schließen. «Ahoi», sagte ich leise und wir traten den Rückzug an. Unser Besuch, bei dem wir niemandem nähertreten wollten, war so schnell beendet, dass wir nichts Genaueres von dem im Entstehen begriffenen Spielareal erhaschen konnten. 

In mir stieg ein Gefühl auf, das mich nach einem schlechten Konzert manchmal beschleicht. Das Gefühl, etwas Unrechtes getan und den Künstlern die Zeit gestohlen zu haben. Gleichzeitig das Gefühl, vor Ort nicht das angetroffen zu haben, was in den Vorankündigungen der Presse und der einschlägigen Netzwerke vollmundig angekündigt wurde.

In gut zwei Wochen komme ich wieder, dann mit der documenta-Dauerkarte bewaffnet, mal sehen, ob ich dann erneut vom Gelände vertrieben werde.