d15 – Weltsprache

Einerseits gilt: Es werden im Zusammenhang mit der documenta viele Sprachen gesprochen, sehr viele sogar. Doch wer etwas auf sich hält, spricht nur die eine Sprache, du weißt schon, die mit dem ultimativ internationalen Touch, egal was die anderen von diesem manchmal radebrechenden Gestammel verstehen oder eher nicht verstehen (es gibt täglich neue Youtubes auf der Website der documenta fifteen, natürlich auf Englisch, einem Englisch, das manchmal nicht einmal der oder die Sprechende selbst versteht, Hauptsache es ist Englisch).

Hier zwei VW-Busse vor dem Ottoneum, einem der zentralen Standorte zwischen Fridskul (Fridericianum) und Documenta-Halle. Links ein etwas in die Jahre gekommener Nobody, alter Benziner, Schrott sozusagen – und vor allem Zumutung. Rechts ein Bus von der documenta. Neu, schön, attraktiv, grün. Ja klar, rot, aber vor allem grün wie die deutsche Bahn, die natürlich eigentlich weiß ist mit ein bisschen rot.

s

Der Bus ist ein Klimafreund. Kein Wort heute wegen des für diese Klimafreundlichkeit zusätzlich produzierten Atomstroms. Die Message lautet, dass er ein sauberer Kerl sei. Sei’s drum. Die deutsche Firma, die um die Ecke produziert, kann Englisch. Und eigentliche produziert sie keine Vau-Wehs, sondern Wii-Dobbel-Yuus.

A propos «Etikette», die Stadt ist noch immer am sich Verschönern. Heute wurde die über 12 Meter hohe Spitzhacke am Auedamm (eine Stahl-Plastik des schwedisch-amerikanischen Pop-Art-Künstler Claes Oldenburg anläßlich der documenta 7) zum drittenmal mit einem vom alten Blau kaum unterscheidbaren Blau übermalt. Jedesmal wenn der Stahlpickel übermalt ist, setzt sich eine kunstaffine Gans in die obere Biegung der Skulptur und macht ihr dickes Geschäft (Otto Mühl: «Auch Scheißen und Brunzen sind Kunsten»)– und anderntags kommt der Maler von der Stadt und malt die Verzierung von neuem wieder weg.

Gruß