d15 – Wie umgehen miteinander?

Ein Freund im Ruhrgebiet, seinerzeit Beuys-Meisterschüler und früher Beuyssammler, IGADiM mit Künstlernamen, hat um den Dachfirst seines viereckigen kleinen Flachdachhauses mit großen Lettern einen seiner Sprüche hingeschrieben. Wollte man den ganzen Wortlaut lesen, musste man ums ganze Haus herumgehen. Da stand, von weitem sichtbar: «DIE KUNST VERDICHTET SICH IMMER MEHR ZUR FRAGE: WIE GEHEN WIR MITEINANDER UM?»

Diese Frage provoziert viele Antworten und auch eine weitere Frage. Sie lautet: Wie kommt ein Künstler zu einer solchen Aussage und wie kommt er dazu, ihr eine solche Bedeutung zuzusprechen, dass sie auch gleich sein ganzes Haus von allen Himmelsrichtungen her für diese Aussage benützt?

Auch diese Frage generiert sofort Antworten, lässt jedoch, wie die andere Frage auch, viel Raum für das Rätsel Mensch und das Soziale und Dialogische, das uns so lebensnah und gleichzeitig so lebensfern ist. IGADiMS Frage ist auch die Frage der kommenden documenta. Und hier wie dort wird das «Wir» einen großen Kreis umspannen. Wer bei Beuys gelernt hat, und IGADiM hat Entscheidendes von ihm gelernt, kümmert sich nicht nur um sei eigenes oder das Wohlergehen einiger Menschen. Vielmehr umfassen seine und ihre Gedanken alle Menschen, wirklich alle, und darüberhinaus die Tiere, die in unserer Obhut stehen, die Landschaften, die Lebensräume, die Elemente, von denen wir Menschen nur wieder ein Teil sind.