d15 – Wo sind die Panzer?

Auf der documenta 14 begrüßten verschiedene geometrische Körper das Publikum, wenn es das Portal des Fridericianum passiert hatte. Die militärfarben angemalten Körper durften nach bestimmten Spielregeln angefasst, gestapelt, zu Gebilden zusammengeschoben werden. Einmal hatten spielfreudige Kunstbesucher_innen einen Panzer draus gebastelt, der bis in die erste Etage hinauf reichte.

Gestern war ich unterwegs im Auto auf der Strecke nach Frankfurt und sah auf der Gegenspur mehrere Sattelschlepper mit echten Panzern auf den Ladebrücken. Sie rollten von A durch Deutschland nach B. Genaueres darüber zu erfahren, ist für Automobilisten wie mich, der ich mit großen Augen auf die Gegenfahrbahn starrte, schwer bis unmöglich. Es sieht alles irgendwie so normal aus. Die schweren Schlepper rollen über die deutsche Autobahn wie die anderen Lastwagen auch, reihen sich geduldig in die Kolonne ein, alles wirkt entspannt und gesittet und funktionert ganz nach den Regeln des Straßenverkehrs.

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Auf der letzten documenta vor fünf Jahren gab es einen Film zu sehen, da wollte eine Frau genau wissen, wie es sich anfühlt in der unmittelbaren Nähe eines auf den Menschen gerichteten Panzers: Die Guatemaltekin Regina José Galindo rannte vor einem Panzer über einen deutschen Übungsplatz Ganz schön emotional, wie ihr langsam die Puste ausging, im Gegensatz zum Panzer, der ihr in aller Ruhe (gewissermaßen Seelenruhe) an den Fersen kleben blieb und das Tempo hielt.

 

Mir drängt sich die Frage auf: Wo sind die Panzer heute? Haben sie die Kunsträume verlassen? Wer wünscht sie von A nach B? Wie werden die aus aller Welt in Kassel zur documenta fifteen versammelten Kollektive mit dieser zur Zeit sehr deutschen Frage umgehen? Ist das überhaupt ein Schwerpunkt in ihren Perspektiven, die doch wohl keine zentral europäischen sein werden? Wird es für sie ein so dringendes Thema sein, dass sie zur künstlerischen Auseinandersetzung herausfordert sind?