«Das Herz ist analog»

Der us-amerikanische Dialogforscher William Isaacs hat vor über zwanzig Jahren eine interessante Feststellung gemacht. Er hat sich zu einem frühen Zeitpunkt Gedanken über die ‚digitale Revolution‘ gemacht, die in den 1990er-Jahren ja noch ganz woanders stand als heute.

Isaacs schrieb damals, dass diese Revolution zwar Verbindung, aber nicht Kontakt bringe. Damit meint er, dass über digitale Medien zwar die Ebene des Informationsaustauschs verstärkt, aber keineswegs mehr Kontakt zwischen den Menschen aufgebaut werden könne. Kontakt heißt Begegnung, Analogizität, Verbindung auf vielen Erfahrungsebenen, heißt auch Haptik und Sinnlichkeit.

Verbindung sollte nicht mit Kontakt verwechselt oder gleichgestellt werden. Was heute allerdings oft geschieht, ist, dass die Verbindung über den Kontakt gestellt wird. Dies wird uns auf Dauer unglücklich machen, deshalb sollten wir es in dieser Richtung gar nicht erst weiter versuchen.

Das schlagende und (mich) restlos überzeugende Beispiel ist das Herz! Wir können heute mehr Informationen austauschen, aber nicht unbedingt mehr Verständnis, Einsicht, Weisheit oder gar Herz, wie Isaacs treffend bemerkt. Seine wichtige Erkenntnis ist die, dass das menschliche Herz analog ist, nämlich kontinuierlich, fließend, wellenartig, wir könnten ergänzend sagen, es ist erhebend, sonnwärtsgericht, geistdurchseelt.

Ein solcher Schatz, den jede und jeder von uns in sich trägt, lässt sich nicht fragmentieren und in Informationspakete zerlegen und irgendwo an irgendeinem anderen Ende irgendeiner Leitung einfach wieder zusammensetzen. Das lässt unser Herz einfach nicht mit sich machen – und wir wissen das.

Du weißt das!! Und dieses Wissen hat tröstliche Konsequenzen.

Mein Herz schlägt nur so lange gut, als es analog schlagen darf, gemeinsam mit den Herzen anderer Menschen. Spätestens heute hat der Gedankengang von William Isaacs zwingende Aktualität.