Das mit dem Teilen

An der Haustüre hatte es geklingelt. Eine alte Nonne stand da und fragte fein und zurückhaltend, ob sie mal ein bisschen in unser Haus schauen dürfte. Wir wohnte da als sechsköpfige Familie, da war ganz schön viel los, wie wir fanden. Wir ließen die Frau herein und sie fing schon bald an: «Ja, das war die Tür ins Bad. Und hier das Geländer an der Treppe nach oben, ich erinnere mich.» Und immer so weiter. Die Nonne hatte als Kind im Krieg in diesem Haus gewohnt, es sei damals bis unters Dach von verschiedenen zwangseinquartierten Partien bewohnt gewesen, fünf Familien insgesamt.

Fünf Familien gegen zwei Eltern mit vier Kindern. Wir waren erstaunt.

Gestern im Radio hörte ich, Rentner und Pensionen seien in in den letzten Jahren finanziell so gut aufgestockt worden, dass sie abzüglich der Teuerungsprozente immer noch 8% zugelegt hätten. Nobel, dachte ich, wo andere Gehaltsempfänger nicht mal die Teuerung verrechnet bekommen.

Und gerade eben hatte ich ein Telefonat mit einem Achtzigjährigen, der mir erzählte, dass sein hundertjähriger Vater vor einigen Tagen gestorben sei. Herzstillstand nach hundert Jahren. Ja, und dann sagte der Mann noch:

«Corona, das hat doch auch was Gutes, nicht wahr?!»

Ixh fragte: «Wie meinen Sie das?»

«Na, jetzt müssen wir endlich lernen zu teilen!»

Ich muss jetzt aufhören, es ist kurz vor dem Mittagessen und wir haben unsere alte Nachbarin eingeladen. Teilen ist schön, wer das noch nicht selbst rausgefunden hat, soll sichs hiermit hinter die Ohren schreiben.