Den Kosmos in der Seele

Heute bin ich mit dem Gedanken an David Abram aufgewacht. Als ich den amerikanischen Ökophilosophen in Berlin erlebte, stand er gerade vor der Entscheidung, mit seiner Familie von einem idyllischen Naturort in den USA in eine große Stadt zu ziehen oder seine, wie er fand, überflüssigen Privilegien eines guten Lebens auf dem Land weiter zu genießen.

Sollte er umgezogen sein, wird er unter dem Naturverlust, der ihn damit ereilt haben würde, leiden, besonders jetzt, wo er nicht rauskann, vielleicht nicht mal aus seiner Wohnung.

Wie anders ging es ihm da auf seine Asienreisen: «Eines späten Abends trat ich vor meine kleine Hütte in den Reisfeldern Ostbalis – und fand mich im freien Fall durch den Weltraum wieder. Am schwarzen Himmel über mir wogten die Sterne, an einigen Stellen so dicht gedrängt, dass sie das Dunkel zwischen ihnen fast auslöschten, an anderen spärlich vertreut, pulsierend, einander Zeichen gebend. Weit hinter ihnen floss der große, verzweigte Strom aus Licht dahin. Doch auch unter mir wirbelte die Milchstraße, denn meine Hütte lag in einer großen Flickendecke aus gefluteten Reisfeldern, vernäht mit schmalen, halbmeterhohen Dämmen.» Abram befand sich nicht nur unter, sondern auch über, er befand sich, gefühlt, innendrin im nächtlichen Himmel und seinem warmen Licht, das aus tiefster Finsternis kam. Da befiel ihn wie ein umarmendes Geschenk «ein plötzliches Gefühl von Schwerelosigkeit».

Mit diesem Bild und diesem Gefühl beginnt Abrams Buch Im Bann der sinnlichen Natur (thinkOya). Wie wohl die eben vergangene Nacht für David Abram war, beziehungsweise ausgeht, denn während ich hier in Kassel diese Frage stelle, schläft er drüben in den Staaten noch.

Mit guten Gedanken,