Die Arbeit der KdWV

Sie sind flächendeckend an der Arbeit, die Killer der Waldvielfalt (KdWV). Und sie haben Rückendeckung von Behörden und Wissenschaftlern. Letztere können inzwischen durch simple Messungen die Gesundheit oder Krankheit eines Baumes feststellen und auf den Katasterplänen haargenau eintragen, welche Bäume wo in welchem Gefährlichkeitszustand in der Landschaft rumstehen und uns Menschen bedrohen. Ab und zu dann schwärmen die KdWV in die hessischen Wälder und bringen alle Bäume zur Strecke, die laut wissenschatlichen Messungen über den Zenit ihres Lebens hinaus sind.

Früher hatten Bäume verschiedene Lebensalter. Von der Eiche sagte man, sie wachse fünfhundert Jahre, blühe fünfhundert Jahre und sterbe fünfhundert Jahre. Das ist Geschichte, das Sterben wird den Bäumen inzwischen abgenommen. Nun fehlen einem alten Baum einige Jahrzehnte, manchen ein paar Jahrhunderte des Lebens. Ich lasse mir von keinem Forstfachmann weismachen, wie sinnvoll es sei, genau bestimmen zu können, wann ein Baum seinen Lebens- und Produktionspeak überschritten habe, mit der Folge, dass er, sobald er über den Punkt hinaus ist, aus der Produktionskette getilgt und aus Sicherheitsgründen gefällt wird – aus Menschensicherheitsgründen, Waldspaziergängersicherheitsgründen.

Mir scheint, den Bäumen geht es ähnlich wie uns, sie werden so lange geduldet, wie sie optimal produzieren und als Sinnbild ewiger Jugend für Hochglanzfotos herhalten. ‚Puer aeternus‘. ‚Arbor aeternus‘. Schluss mit alternden Bäumen. Die KdWV tun ganze Arbeit, sie sägen Baumriesen um, denen ein paar Gesundheitsprozente fehlen. Meterdicke Riesen. Früher gehörte das Sterben zu ihrem Leben dazu, jetzt wird es wegrationalisiert. Den Bäumen nimmt die Wissenschaft schon mal das Sterben und den Tod. Die Tiere sind als nächste auf der Liste. Auch das neue Design des Menschen sieht vom Tode ab. 

Die Wissenschaft arbeitet den KdWV zu und diese wiederum sonnen sich im Ruf der Menschenschützer, gar Menschenretter. Sie glauben an diesen Ruf wie die Förster der Wissenschaft und diese wiederum den Messmethoden und Zahlen glauben.

Ich fühle mich mehr mit der romantischen Seite der menschlichen Seele verbunden, die den Wald auch deshalb liebt, weil sie da bis vor kurzer Zeit noch sterbende oder solche Bäume angetroffen hat, die, vom Blitz oder sonst vom Wetter gezeichnet, schwere Schäden an Rinde und Stamm in einem Selbstheilungsprozess verarztet haben.

Gruß aus dem Wald,