„Dornenkrone“

Worte in der deutschen Sprache zu erfinden ist unzeitgemäß. Anders als im Brasilianischen oder in anderen jungen Sprachen. Wer solches mit deutschen Wörtern vorhat, ist zu spät dran. „Dornencorona“ ist eine unglückliche, weil unentschiedene Worterfindung. Hat das Wort mit Corona zu tun? Hat es mit dem Leidensweg Christ zu tun? Worauf will es hinaus?

Die Antwort ergibt sich durch die Frage, ob Corona ’nur‘ eine Störung sei oder ob mehr dahinter steckt. Für die hier zu entwickelnden Gedanken ist es dabei unerheblich, ob der oder das Virus überhaupt noch exisitert. Auch wenn diese Frage nicht unerheblich ist, so ist es ein anderes Thema, das hier und heute im Moment nicht weiter verfolgt wird. Ob vorhanden oder nicht, das Gespräch über Corona geht weiter und damit ist Corona auch weiterhin da. Die Mundschutzvorschriften sind da, alle die vielen Eingrenzungen demokratischen Selbstverständnisses sind noch da, kurz, Corona ist schlichtweg noch da.

Ich wüsste gerne, wo wir stehen, hätte gern klar Schiff in der Diskussion, würde gern herausfinden, ob ich mich täusche oder ob die Ansicht, das ganze sei nur eine Störung, die so schnell wie möglich weg müsse, der Wahrheit am nächsten kommt.

Auf eine Schlechtwetterstörung folgt meist gutes Wetter. Sobald die Wolken weg sind, strahlt die Sonne. Auf Regen folgt Aufhellung. Doch machmal kommen wir auch vom Regen in die Traufe. Was heißt „gutes Wetter“ und „schlechtes Wetter“? Gibt es das überhaupt? Wer das Wetter nicht als Vorwand für persönliche Antriebslosigkeit hernimmt, kennt nur gutes und sehr gutes Wetter. Für den gibt es keine Störung.

Wenn Corona weg muss, damit wieder die Sonne scheint, anders gesagt, wenn alles so bleiben muss, wie es war, wenn das die ganze Lektion ist, die wir von Corona lernen, dann kommt als nächster Schritt die Dornencorona, das heißt die Dornenkrone. Mir scheint, so zu denken hat nichts mit Hellsehen zu tun.

So wenigstens deucht mich,

womit ich herzlich grüße,