Erde nie verlassen

Zur Zeit werden wieder neue Programm für die europäische Raumfahrt aufgegleist. Wer wie ich vom Goethewort überzeugt ist, dass der Mensch der genaueste physikalische Apparat sei, den es je gegeben hat und geben kann, dass er also mehr vom Universum weiß als alle Teleskope, Raumsonden und Extramissionen, die je ins Universum guckten oder im Weltall unterwegs waren, versteht das Engagement für solche Projekte vermutlich schwerer als ein junger Physiker, der in die Raumschifffahrt einsteigen möchte und genau verfolgt, durch welche neuen Unternehmungen vielleicht eine Tür für seine Träume aufgegangen sein könnte…

Wie erfolgreich von solchen Dingen auch immer berichtet wird und wie sehr sich kluge und noch viel klügere und genial kluge Leute daran erfreuen, weil diese Dinge ihre Kinder sind, wir sollten nicht vergessen, dass wir Menschen, in was für Weiten vom Planeten Erde wir auch vorbeigeflogen und darüber erstaunt gewesen sind, wie schön und berührend dieser bläulichweißgrüne durchschimmernde Ball vor tiefschwarzem Hintergrund in der Schwerelosigkeit leuchtet, doch stets die Erde auf diese Reisen mitgenommen und also auch die Verpflichtung mitgenommen haben, allem voran dieser Erde selbst Dankbarkeit und Bewunderung entgegenzubringen.

War jetzt ein etwas ungerader Satz. Geht auch einfacher. Wir nehmen, wenn wir ins Weltall fliegen, den Sauerstoff von der Erde mit. Wir nehmen, wenn wir ins Weltall fliegen, die Temperatur von der Erde mit. Wir nehmen, wenn wir ins Weltall fliegen, die Sprache von der Erde mit. Vielleicht ist auch unsere Mathematik eine Mathematik der Erde, die wiederum ein Teil des Universums ist – auch die nehmen wir mit. Wir nehmen, wenn wir ins Weltall fliegen, Nahrung von der Erde mit, Kleidung, Sehnsucht, Freude, eigentlich nehmen wir alles von hier mit.

Wir sind und bleiben Bürger dieser Welt, unserer Erde, und es gibt sie nur einmal. Ich kann mich darüber jeden Tag freuen.