Erstbesteiger

Heute beim Wandern durch den Habichtswald fiel mir sicher deshalb das Wort «Erstbesteiger» ein, weil es richtig viel Neuschnee hatte und der Wald und alles tief verschneit war. Alles wirkte unberührt, weiß wie ein Laken, rein, dabei lag ’nur‘ überall Schnee.

Aber ich und Erstbesteiger, das gibt genau gesehen wenig Sinn. Ich war zu spät, um irgendwo in den Alpen als erster oben zu stehen. Ein Spätgeborener. Und mit anderen rund um die Welt zu konkurrieren, wer trotz der vielen eroberten Gipfel doch noch auf einem von ihnen als erste oder erster oben sei, das war mir irgendwie nicht wichtig genug. Und dann kam, siehe Tod durch Granit, bei mir etwas Biografisches hinzu, das meine Ambitionen vernichtete und verwandelte.

Und mit dieser Sprach sollten wir, meine ich, auch aufhören, dieser Eroberungssprache: Erstbesteigung, ja was denn auch?! Erobern, wieso? Und für wie lange? Diese ganze Soldatensprache, sehr männlich, überall brachial ins Leben greifend, dass diese Wörter oft sogar Teekesselchen sind, Erstbesteigungen gibt es ja nota bene nicht nur im Gebirge, sondern auch, na komm, ich muss hier jetzt nicht präziser werden, oder?

Etwas anderes ist der Neuschnee, wie er heute fiel. Beim Schneewaten kamen die Erinnerungen an viele, viele Wanderungen durch den Tiefschnee, an Aufstiege mit den Fellen durch den Tiefschnee, an pulvrige Abfahrten von Berggipfeln runter über frisch verschneite Hänge durch frisch gefallenen Tiefschnee, Erstbegehungswege durch das Unberührte momentaner Naturerscheinungen, unverhofft die Welt verwandelnd.

So war das heute, unverhofft und Hoffnung machend, sagt mit Grüßen