Wer hat das Recht so etwas zu sagen?!

Es gibt Dinge, für die wir nicht aufmerksam genug sind. Auch Begriffe gibt es und ebenso Gedanken, denen gegenüber wir nicht genügend aufmerksam sind. Besonders tückisch dabei ist, dass solche Unaufmerksamkeiten die Angewohnheit haben, nicht bemerkt, nicht bewusst wahrgenommen zu werden.

Wir seien zu viele, das ist für mich ein solcher Gedanke. Es gebe zu viele Menschen auf der Erde, das höre ich immer öfter, auch von Menschen, die nicht gerade typisch dafür sind, dass sie Gemeinplätze von sich geben. Der Gemeinplatz, wie seien zu viele, ist frei heraus gesagt eine Gemeinheit für alle diejenigen Menschen, die ich als die zu vielen vor Augen habe, denn irgendwelche Menschen muss ich ja damit meinen, wenn ich diese Überzeugung äußere.

Wir sind mehr als vor einem Jahr, viel mehr als vor fünf, zehn, fünfzig Jahren. Wenn wir sagen, es seien zu viele, dann müssten wir auch mutig sagen, wen wir opfern würden oder weghaben wollten, um nicht mehr zu viele zu sein. Das kann niemand mit gutem Gewissen. Und keine Wissenschaft hat bisher die Aussage erhärtet, dass wir Menschen zu viele sind.

Etwas anderes ist – und darüber ist das Gespräch sinnvoll und nötig – die Behauptung, viele von uns würden einen ökologischen Fußabdruck hinterlassen, der von der Erde ab einer gewissen, inzwischen vielleicht erreichten, Menge nicht mehr verkraftet werden kann. Das ist ein diskussionsfähiges Thema, doch darüber höre ich viel weniger als über die immer häufiger zu hörende Klage, wie seien hier auf diesem Globus inzwischen zu viele.