Gefühle und Emotionen

Manche Therapien unterscheiden streng zwischen Gefühlen und Emotionen. Laien auf diesem Gebiet können zur Zeit leicht herauszufinden, was der Unterschied ist. Dies dank Coronafußball.

Was sonst bei einer Fußballübertragung für den Zuschauer zu Hause unhörbar bleibt, dringt ihm neuerdings mit frenetischem Lärm ins Ohr. Die momentanen Übertragungen mobilisieren zwar ziemlich andere Gefühle als Fußballspiele mit Publikum, doch sie lassen den Laien problemlos den Unterschied zwischen den beiden Seelenregungen erkennen.

Wir hören laute Schreie der Spieler auf dem Feld, hören die Schreie der Spieler am Spielrand. Während sonst beim Fußball im Stadion fünfzigtausend brüllende Fans die Übertragungsmikrofone beanspruchen, hören wir jetzt nur die paar Hansel auf dem Feld und die letzten Mohikaner am Spielrand.

Mach mal für einen Moment die Augen zu und halte die Ohren steif und Du hörst Emotionen in Reinkultur. Kein einziges Gefühl. Wer den teilweise verzweifelten, teilweise hochaggressiven, für die jeweiligen Stimmbänder durchgehend zu hohen und viel zu lauten Schreien den Ablauf eines Kriegsfilms unterlegen würde, könnte mit einem eindrucksvollen Resultat rechnen.

Während wir, um Emotionen und Gefühlen zu unterscheiden, sonst schwierige Bücher studieren müssen, kriegen wir den Unterschied bei den derzeitigen Fußballspielen in Reinkultur mit.

Und somit wäre schon wieder etwas Positives zu Corona gesagt. Warum also klagen?

So weit so gut, herzlich