Gell, du – Hund.

Heute hatte ich wieder Hundebegegnungen und freute mich an diesen umtriebigen Freunden. Ein alter Patriarch, auf dem sichtbar schwere Jahre lasteten, trottete mir auf einem Weglein entgegen, auf dem sonst niemand mehr Platz hatte. Neben ihm in der Wiese ging sein Frauchen. Ich, von der entgegengesetzten Seite kommend, ging auf der der anderen Seite langsam an ihnen vorbei, ebenfalls in der Wiese. Ganz klar, dass wir dem Hund den Vortrtitt ließen. Die Gräser wegzutreten wäre für ihn zu anstrengend gewesen, ihm diesen Angang zu ersparen war unser beider unabgesprochenes Bedürfnis.

Dann unweit von diesem alten Hundeherrn mehrer kleine Hunde, alle vier weiß, die rumrannten wie die Verrückten, einer am Schanz des anderen hängend und in wilder Hast Kurven schlagend, nicht grad wie Hasen, ganz so flink denn doch nicht, aber erstaunlich flink und in alle Richtungen gleichzeitig.

Weder diese kleinen noch den alten Hundepatriarchen würde ich je mit SIE ansprechen. Ansprechen aber tue ich sie gern, mit DU. Selbstverständlich gelten Rücksichtsregeln, wenn man als Fremder Hunde anspricht. Meist tue ich es deshalb nur in Gedanken. «Ach, du knuffiger Geselle!» Oder: «Mei, du bist aber ein edles Ding.» Oder: «Nein, dieser Bernhadiner da und neben ihm der kleine Bologneser.» So in dieser Art geht’s bei mir zigmal, wenn ich auf einem Spaziergang die Hunde beobachte. Alle diese extrem verschiedenen Gestalten stammen doch wohl aus dem Hundehimmel und gehen irgendwann wieder in diesen Hundehimmel ein. Großes Geheimnis. Der Kuhhimmel ist dagegen geradezu transparent, trotz der vielen geheimnissvollen Mägen der Kühe. Alle diese Hunde wollen aneinander riechen und bei jedem Wetter miteinander rumtollen, spielen wie Kinder im ersten Schnee, im Paradies genauso wie hier, wobei das Leben hier für sie auch schon das Paradies ist.

Auch nur einen einzigen Hund mit SIE anzusprechen ist einfach nicht zu machen, ja nicht einmal zu denken. Klar, wenn ich die Frage stellen würde, welches Tier sonst würde ich a priori mit SIE ansprechen, so kommt mir doch eigentlich keins in den Sinn. Doch das DU zu den Hunden ist ein absolut ungebrochenes DU, so echt und spontan, so lebensvoll, dass ich manchmal fast traurig bin, dass ich nicht selber ein Hund bin und mit ihnen mitrenne.

Das Einzige was ich tun kann, ist , dass ich mich auf jeden Spaziergang so freue wie es die Hunde tun, wenn sie Gassi gehen dürfen.

Herzliche Grüße